18.02. – Küste, Strand und Wind: Nach Storms River

Es klingt irgendwie eher nach einem seltsamen Insekt als nach einem Nationalpark – Tsitsikamma. Das Wort stammt aus der Sprache der Khoi, bedeutet „Ort des sprudelnden Wassers“ und war unser heutiges Ziel. Wobei genau genommen nicht der Park, sondern das kleine Dorf Storms River der Ort war, wo wir heute hin wollten.

Zwar war der Abschied von der schönen Candlewood Lodge und ihren freundlichen Bewohnern nicht ganz einfach – aber mit einem neuen und sicher tollen Ziel vor Augen fällt einem auch so ein Aufbruch nicht ganz so schwer.

Wobei ich die permanenten und unzähligen Leckereien sicher SEHR! vermissen werde! Andererseits würde ein längerer Aufenthalt dort garantiert zu erheblichen Gewichtsproblemen führen – also auf zu neuen Zielen!

Das erst Ziel war ganz in der Nähe – Old Nick Village! Denn nachdem wir den Markt am Mittwoch regenbedingt mehr oder weniger fluchtartig verlassen hatten, wollte ich dort unbedingt nochmal hin! Nicht nur, aber auch, weil die wunderbare Seife, die wir in der Candlewood Lodgehatten, von dortstammt.

Das kleine Handwerkerdörfchen hat eine lange Tradition – schon 1880 gab es hier neben einer Farm die ersten Geschäfte. Ein Gemischtwarenladen, eine kleine Möbelmanufaktur, eine Töpferei und Weberei waren der Beginn. Heute werden hier sowohl Produkte verkauft, die vor Ort hergestellt als auch andere, die in der Nähe produziert werden. Alles stammt aus Südafrika, der Schwerpunkt liegt auf Nachhaltigkeit.

Heute, bei Sonne, war das Handwerkerdörfchen noch einladender! Eine Gärtnerei baut nicht nur Gemüse und Kräuter zum Verkauf an, sondern auch Büsche, Kakteen, sogar Bäume werden hier gezogen!




Irgendwo klapperte es rhythmisch – das Geräusch kannten wir gut aus Myanmar: Webstühle!!! Wir folgten dem Krach und landeten in einer Spinnerei und Weberei, wo einheimische Baumwolle gefärbt und zu bunten Tüchern gewebt wurde.



Das Ganze ist zwar immer noch recht handwerklich, aber doch erheblich fortschrittlicher als das, was wir aus Myanmar kennen! Hier werden die Webstühle nicht per Fußpedal und Menschenkraft, sondern elektrisch betrieben – der ohrenbetäubende Lärm ist aber der selbe…
Die fertigen Stoffe werden zu Kissen, Decken und anderem verarbeitet und im Shop nebenan verkauft.

Man kann hier Stunden zubringen, zwischen den kleinen Häuschen herum wandern, in der Chocolaterie oder in der Käserei diverse Sorten probieren, sich eine Massage oder Pediküre gönnen, den Töpfern zuschauen.

Oder sich im Laden von Ruby Soul verlieren, wo es nicht nur wunderbare Seifen, Badeöle- und salze gibt, sondern auch eine Unmenge von Krimskrams, von dem man mindestens die Hälfte liebend gerne mitnehmen würde!


Da unser Gepäckvolumen – trotz Businessclass – leider begrenzt ist, belasse ich es bei diversen Seifen, die aus großen Blöcken herausgeschnitten und alle himmlisch duften.

Auf eine Einkehr im wunderschönen Restaurantgarten verzichten wir – das Frühstück liegt ja noch nicht lange zurück.

Weiter geht’s … aber der nächste Stopp lässt nicht lange auf sich warten!

Wir biegen ab von der N2, denn der märchenhaft schöne Keurboomstrand zwingt einfach zunächst zu einem kleinen Umweg und dann zu einem Halt – und glücklicherweise ist hier ausnahmsweise mal eine Haltemöglichkeit da!


Weil der Strand so schön ist und ein bisschen Bewegung nie schadet, fahren wir bis zum Ende des kleinen gleichnamigen Örtchens und landen in Idylle pur! Strand vom Feinsten, garniert mit interessanten Felsen – und einem tollen Strandlokal! Der Strand ist ziemlich leer, denn alle sitzen unter den großen weißen Schirmen bei Enrico und lassen sich fangfrischen Fisch und Meeresfrüchte von den eigenen Fischerbooten schmecken – es duftet himmlisch!

Bei der nächsten Südafrikareise werden wir garantiert eine Nacht hier verbringen!



Der Weg zurück zur N2 ist zwar etwas abenteuerlich (weil wir uns hartnäckige den Versuchen von Google Maps widersetzen, uns auf schnellstem Weg zum Ziel zu lotsen ) – aber nächste Strand lässt nicht lange auf sich warten.

Wieder biegen wir ab von der N2 und fahren auf der R102 runter ins Nature Valley. Allein schon die Strecke ist jeden Umweg wert!!! Die Straße schlängelt sich durch Eukalyptuswälder und Urwald runter in ein verwunschenes Tal, wo der dunkle Grootriver in eine Lagune mündet.

Im klaren Wasser der Lagune kann man gefahrlos baden.


Wer zum Meer will, muss ein bisschen klettern – eine ziemlich ausgedehnte Düne liegt zwischen Lagune und Meeresstrand.



Auch hier ist reichlich Platz – allerdings ist die Brandung durchaus heftig, so dass hier nur sehr geübte Schwimmer ins Wasser gehen sollten.

Die beiden Herren betrachteten die hohen Wellen eine Weile lang eher skeptisch – entschlossen sich dann jedoch nach kurzer Zeit, den geordneten Rückzug anzutreten. War vermutlich auch vernünftig.

Auf der Weiterfahrt überqueren wir den dunklen Grootriver, der hier malerisch und momentan sehr gemächlich Richtung Lagune fließt.




Unterwegs gibt’s immer mal wieder kleine Verkehrsstörungen, aber die Affen rennen blitzschnell weg, wenn sich ein Auto nähert.



Von oben können wir nochmal einen Blick auf die Lagune und den Strand werfen – ein wirklich tolles Ensemble! Aber man sieht auch ganz gut, dass die Brandung ziemlich heftig ist, obwohl der Strand flach ist.

Eigentlich wollten wir weiter auf der R102 über den legendären Bloukranspass – nur ist der leider derzeit für längere Zeit gesperrt, wegen Straßenbauarbeiten. Stattdessen ging es also auf der N2 weiter – das hatte zumindest den Vorteil, dass wir die höchste Brücke Afrikas, die Bloukrans Brücke, nicht nur überqueren, sondern auch richtig gut anschauen konnten!

Unterhalb der Fahrbahn wurde vor 15 Jahren eine Bungee-Sprung Station geschaffen, wo man sich 26m in die Tiefe stürzen kann!

Mir wurde schon beim Rüberschauen durchs Tele schwummrig – keine 10 Pferde würden mich auch nur bis zum Absprungplatz bringen! Denn man muss direkt unterhalb der Fahrbahn in einer Art Hängebrücke, nur mit einem Netz gesichert, bis zum Absprungplatz gehen – da braucht man Nerven wie Stahlseile!

Deshalb verzichteten wir auf den Sprung, ließen Jüngeren den Vortritt und machten uns auf die letzte Strecke. Weit war es nicht mehr bis Storms River, einer kleinen Siedlung mit nur wenigen Häusern. Unsere Unterkunft, das Tsitsikamma Village Inn, war 1841 (in Teilen) ursprünglich als Jagd – und Gästehaus der Familie Duthie aus Knysna erbaut worden, später waren es Unterkünfte für Mitarbeiter der lokalen Sägemühle und Mitte des 20. Jh. entstand daraus ein Hotel, das ein bisschen wie ein englisches Dorf aussieht. In der Mitte das Village Green, im Kreis darum herum unterschiedliche Cottages oder auch stattliche Häuser, ein Pub fehlt ebenso wenig wie ein Restaurant (und heutzutage auch ein Pool!).

Unser Zimmer lieg tim Rose Cottage, hat die Nummer 18 und ist narzissengelb! Auch wenn die Einrichtung ein bisschen altmodisch ist …

… fühlen wir uns doch auf Anhieb wohl hier! Da es recht warm ist, kommt der Schatten der großen Birke recht gelegen – wer es lieber sonniger mag, sollte schon vor der Anreise um ein Zimmer in 19 – 22 bitten oder gleich in eines der anderen Häuser ausweichen. (Weniger schön und ziemlich dunkel, zudem mit sehr schmalen Betten, sind die günstigeren Zimmer im Barn!)



So idyllisch es hier ist, wir wollen wenigstens kurz mal runter in den Nationalpark und evtl. auch zur Hängebrücke. Schließlich ist erst Nachmittag und es bleibt noch eine ganze Weile lang hell. Obwohl wir nur eine Stippvisite machen wollten, wurde der volle, recht hohe Eintritt in den NP fällig. Ausländische Besucher zahlen hierzulande 3-4 Mal so viel wir Einheimische – was nicht immer nachvollziehbar ist, denn nicht alle Südafrikaner sind arm und nicht alle Touristen reich.

Aber das kennen wir auch von anderen Ländern. Während es jedoch in vielen Ländern. so auch in Thailand, altersbedingte oder Studenten Ermäßigungen für alle Besucher gibt, gilt das hierzulande ausschließlich für Südafrikaner!

Egal, wir bezahlen und fahren runter zur Küste. Mit jedem Kilometer wird der Wind stärker, als wir unten am Stroms River Mouth ankommen, dämmert uns, warum das Wort „Sturm“ hier in der Ortsbezeichnung vorkommt. Es stürmt dermaßen heftig, dass mir sofort die Basecap vom Kopf fliegt.

Alle Boote sind aufs sichere Land gezogen, die Brücken gesperrt – kaum jemand ist da! Wir hätten auch hier unten nächtigen können, allerdings werden hier nur Hütten zur Selbstversorgung angeboten.

Wir schauen uns etwas um, orientieren uns schon mal für den morgigen Tag, wo wir auf weniger Wind hoffen.




Dann verziehen wir uns wieder ins deutliche windstillere Storms River Village. Hier gibt es durchaus was zu sehen – schon Marylin’s 60 Diner, direkt neben unserer Unterkunft, ist unbedingt einen Besuch wert!

Jedes Detail hier stimmt – mit wenigen Schritten ist man hier mitten in den 60ern, und natürlich spielt die Jukebox auch ausschließlich Titel aus dieser Zeit! Die Speisekarte listet alles auf, was man in einem uramerikanischen Diner kriegt – dicke Milkshakes, Floats und Sundaes, natürlich Burger, Hotdogs und amerikanische Cocktails.

Umgeben von Cadillacs und Chevys schmeckt selbst eine ordinäre Cola richtig gut!

Ein Bummel durch den Ort ist eine kurze Angelegenheit – er endet kurz nach dem Diner, auch zur anderen Seite bzw. um die Ecke ist die Strecke ziemlich überschaubar.

Wir essen heute im Pub des Hotels, da das Restaurant zu ist und uns nicht unbedingt nach Burger &Co. ist. Gar nicht schlecht, im Garten, mit Blick auf den Pool … Und danach noch ein Glas Wein vor unserem Cottage …

Die Strecke von heute:

2 Kommentare zu “18.02. – Küste, Strand und Wind: Nach Storms River

  1. „Bei unserer nächsten Südafrikareise…“

    Einen so wunderschönen Urlaub würde ich auch wiederholen wollen 🙂
    Aber meint Ihr Südafrika oder den Süden von Afrika?

    • Momentan definitiv Südafrika, denn da haben wir noch bei weitem nicht alles gesehen und es gab viele Orte, wo wir gerne länger geblieben wären.

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