21.02. – Tolle Aussichten: Jeffreys Bay und Cape St. Francis

Normalerweise schlafe ich morgens um 5 Uhr. Jedenfalls dann, wenn ich nicht in einem Glaswürfel liege!
Und vergessen habe, die Vorhänge wenigstens ein bisschen zuzuziehen.
Und deshalb bei einem kurzen Blinzeln sehe, wie es draußen allmählich heller wird, das tintenschwarze Meer sich in flüssiges Silber verwandelt und der nachtschwarze Himmel orange-gelb zu leuchten beginnt.


Aber so ein Schauspiel kann man sich nun wirklich nicht entgehen lassen! Also raus aus dem Bett, auf die Terrasse und einfach staunend zuschauen, wie ein neuer Tag, eine neue Sonne aus dem Meer empor steigt!

Und dann aber wieder zurück ins Bett, Vorhänge zu, und noch ne Runde schlafen …

Geraume Zeit später ist die Nacht dann aber wirklich zu Ende. Wir freuen uns auf ein gemütliches Frühstück mit Meerblick, ich laufe nochmal schnell runter zum Auto, um was aus dem Kofferraum zu holen. Tja – und dann passierte der absolute Super-Gau!!! Normalerweise stecke ich IMMER!!! den Autoschlüssel in die Tasche, wenn ich nur was aus dem Auto hole und nicht wegfahre. Nur – heute morgen hatte ich ein Kleid an, Und das hatte keine Taschen.

Deshalb landete der Schlüssel im Kofferraum. Den Rest könnt ihr euch denken ….

Im selben Moment, als der Kofferraumdeckel runter ging, fiel es mir siedendheiß ein – aber zu spät, der Deckel schnappte ein, das Auto war zu. Und wir hatten nur diesen einen einzigen Schlüssel!!!

Kreidebleich wankte ich in die Rezeption, wo Tanja mir gleich besorgt einen Stuhl unterschob und eine Flasche Wasser in die Hand drückte. Als ihr klar wurde, was passiert war, beratschlagte sie zunächst mit Rob, was man wohl tun könne und rief zunächst mal bei Europcar an. Dort war man hartleibig – einen Ersatzschlüssel gab es nicht, angeblich nicht mal in Kapstadt, wir sollten das Auto entweder in eine Hyundai Werkstatt abschleppen lassen und hoffen, dass die das Auto öffnen können oder einen Schlüsseldienst beauftragen, das Auto zu öffnen – wobei alle Beschädigungen von uns zu tragen wären.

Inzwischen waren noch ein paar andere Gäste und Nachbarn aufgetaucht, die alle gute Ratschläge hatten. Bis hin zu „Schlag doch einfach die Scheibe ein und melde es als Einbruch, die Versicherung zahlt das dann“ war alles mögliche und überwiegend unrealistische dabei. Schließlich lief es auf den Schlüsseldienst raus – wobei ich mehr als skeptisch war.

Aber es dauerte keine 10 Minuten, dann war ein quietschfideler junger Mann da, der in weniger als 10 Sekunden das Auto offen hatte. Wie er das genau gemacht hatte, hab ich nicht mal mitbekommen – es war jedenfalls nicht der Hauch einer Beschädigung zu sehen! Die eigentliche Türöffnung kostete gar nichts, nur die Anfahrt musste mit 265 Rand, also rund 15 €, bezahlt werden! Klar, dass da noch ein dickes Trinkgeld obendrauf kam!

Wenn ich mir vorstelle, was so was in Deutschland gekostet hätte ….

Danach gab es endlich Frühstück! Und dann erkundeten wir mal die Umgebung. Immer an der Küste lang – zumindest so nah wie möglich. Zu allererst suchten wir aber nach einem netten Lokal für den heutigen Abend, bitte mit Meerblick! Und wurden fündig im Kitchen Windows, direkt hinter den Dünen, mit tollem Blick und vor allem toller Speisekarte! Hier legt man viel Wert auf Nachhaltigkeit und lokale Produkte.


Selbst jetzt, am späten Vormittag, war hier schon einiges los und was da so auf den Tellern war, sah prima aus! Also Tisch reserviert, noch ein Rundblick über den Bilderbuchstrand …


Dann ging’s weiter. Jeffreys Bay ist kein mondäner Badeort, eher was für Familien. Das Angebot an Unterhaltung ist ebenfalls eher familienbezogen – ein großer Spielplatz direkt am Meer und mehr Fastfood und Pizza als gehobene Gastronomie. Trotzdem ist der kleine Ort unglaublich nett und entspannt – und die Strände sind natürlich allererste Sahne!


Auch im übertragenen Sinn, denn der Sand ist sahneweiß.

Man lebt hier entspannt, hockt sich ans Meer, wirft die Angel aus und wartet mal ab, was kommt … Bloß kein Stress!

Wir ziehen weiter, kommen nach Marina Sands, einem Vorort von Jeffreys Bay, wo die Wellen hoch und die Dünen noch höher sind und viele Bewohner in einer Art Reichen-Ghetto in einer Lagunenlandschaft, abgeschirmt hinter einer riesigen Mauer, leben. Hier kann man auch mit einer Art Surfbrett die Dünen runter rauschen, nennt sich Sandboarding – heute ist da aber nichts los. Nur ein paar echte Surfer sind unterwegs.

Wir fahren weiter, nach Paradise Beach, einem weiteren Vorort. Dort machen wir den Fehler, auf Google Maps zu hören!

Natürlich hat man in diesem Land unbefestigte  Straßen NICHT! abgewählt – denn sonst käme man ja kaum irgendwo hin und würde zudem die tollsten Strecken verpassen. Aber diese Strecke, diese knapp 10 km von Paradise Beach bis hoch zur R102 war mit weitem Abstand das schlimmste, was wir jemals erlebt hatten! Dabei sah die Straße gar nicht so schlecht aus – sie war aber dermaßen durchzogen von Querrillen, dass man sich vorkam, wie auf einem Waschbrett! Mehr als 20km/h waren nicht drin – entsprechend lange dauerte es, bis wir wieder festen Asphalt unter den Rädern hatten.

Dann ging es aber entspannt weiter bis zum Seal Point Lighthouse. Ein richtig schöner Leuchtturm und außerdem der südöstlichste Punkt Afrikas.



Zwei weitere Dinge machen diese Ecke zu einem echten Highlight – zum einen kann man hier auf schönen Muschelpfaden bequem an der Küste entlang wandern und die dramatischen Felsen sowie das Meer bewundern.





Zum anderen gibt es direkt neben dem Leuchtturm ein wunderbares Restaurant mit exzellenter Küche! Leider hat es nur bis 16 Uhr auf, sonst wäre das ein prima Ort für ein Abendessen mit Sonnenuntergangsblick. Denn hier hat man einen Blick sowohl nach Osten als auch nach Westen.

Wir lassen den Leuchtturm hinter uns und fahren rüber nach Cape St. Francis. Hier gibt es einen hübschen kleinen Hafen, ansonsten wirkt der gesamte Ort ein bisschen sehr gestylt und zieht ganz offensichtlich eine völlig andere Klientel an als Jeffreys Bay. Es dominieren teure Boutiquen und hochpreisige Delikatessengeschäfte, edle Restaurants und teils sehr teure Hotels. Wir hatten hier ein Hotel im Auge gehabt, das – wohl coronabedingt – seine ansonsten unbezahlbaren Zimmer zu vertretbaren Preisen anbot, aber als wir uns zur Buchung entschlossen, war nur noch eine Nacht frei, so dass wir stattdessen das Beach House wählten.



Schön ist es jedenfalls in beiden Orten, und gut essen kann man auch in Jeffreys Bay! Unser Tisch im Kitchen Windows war direkt am Fenster, mit wunderbarem Blick auf Meer, Dünen und Abendhimmel.


Echt fantastisch war dann auch das Essen! Während ich ein butterzartes Steak mit grünem Pfeffer und verschiedenen Kürbissorten bekam, hatte Dieter sich für ein weitgehend entbeintes „flaches“ Stubenküken entschieden. Beides war im Holzofen gebraten worden, der Geschmack unvergleichlich! So gut das alles war (und die Weine dazu ebenfalls) – der Nachtisch war die Krönung des Ganzen! Ein himmlische Kombination verschiedener Schokoladencreationen – zum Dahinschmelzen lecker!!!

Noch ein Brandy zum Abschluss – dann ging’s heim. Auf dem Weg zum Auto gab’s noch eine kleine Überraschung: Ein riesiges Wohnmobil mit Karlsruher Nummer stand auf dem Parkplatz! Gerne hätten wir erfahren, wie und warum das Gefährt hierher gekommen war – es war garantiert eine lange und sicher auch spannende Reise, aber die Insassen waren nirgendwo zu sehen.

Also bleiben wir im Ungewissen und fahren stattdessen heim zu einem letzten Gläschen Wein und zum Stargazing auf unserer Terrasse.

Die heutige kleine Rundfahrt:

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