22.02. – Einfach da bleiben!!! Kenton-on-Sea …

Es war eigentlich nur eine Art Notlösung. Und dann war es Liebe auf den ersten Blick!

Wir hatten keine Ahnung, wo wir da landen würden, wollten lediglich die Nacht vor unserer ersten „Safari“ (hier heißt das „Game Drive“, also „Wild Fahrt“) im Sibuya Game Reserve irgendwo in der Nähe verbringen, denn am folgenden Morgen sollten wir pünktlich um 11 Uhr an der Ablegestelle zum Resort sein.

Kenton bot sich also als Übernachtungsort an – obwohl da scheinbar der Hund begraben und absolut nichts los war!

Wir fremdelten wirklich sehr mit diesem Ort … So sehr, dass wir morgens bei der Abreise alles versuchten, um evtl. noch eine Nacht länger in Jeffreys Bay bleiben zu können. Es klappte nicht – das Beach House war ausgebucht (und wir sollten später noch mehr als froh darüber sein !!!!)

Also mussten wir los. Weg von Tanja (der hatten wir gestern im Kitchen Windows, wo sie mit ihrer Freundin aufkreuzte, noch einen Drink als Dank für die Schlüsselhilfe ausgegeben) und Rob – wie fast überall in Südafrika ist man mit seinen Gastgebern schnell auf Vornamen-Basis, wird immer sehr herzlich und familiär aufgenommen!

Zunächst ging es praktisch schnurgeradeaus, auf der N2 Richtung Port Elizabeth. Hier wollten wir nicht lange bleiben, uns nur mal umschauen – und natürlich auch das Donkin Reserve mit Leuchtturm und Denkmal anschauen.

Zuerst fiel uns allerdings eine hübsche Kirche direkt unterhalb des Platzes auf. Wir stellten das Auto am Rande einer großen Rasenfläche unter einem Baum ab – waren aber schon mal leicht irritiert, weil überall schlafende/dösende Menschen, denen es ganz offensichtlich nicht sehr gut ging, herum lagen. Obwohl ich sonst wenig Hemmungen habe, Menschen zu fotografieren, habe ich es hier tatsächlich nicht gewagt – irgendwie war die Atmosphäre leicht angespannt, obwohl ich nicht sagen könnte, weshalb.

Trotzdem marschierten wir los, machten Fotos von der hübschen Kirche und gingen dann über den Rasen Richtung Leuchtturm.

Der offene Platz oberhalb der Stadt, mit einer großen Rasenfläche und dem Leuchtturm, wurde der Stadt im 19. Jh. von Sir Rufane Donkin geschenkt. Nach dessen Frau Elizabeth ist die Stadt benannt, und zur Erinnerung an sie errichtete Donkin eine steinerne Pyramide, die heute im Zentrum des Platzes steht, unmittelbar vor dem 45 m hohen Leuchtturm aus dem Jahr 1861. Die Inschrift rührt ans Herz „“To the memory of one of the most perfect of human beings, who has given her name to the town below.”


Leider ist die Stadt, die ihren Namen trägt, mittlerweile alles andere als perfekt. Im Rahmen des Fußballweltcups wurde der Platz zwar aufgehübscht und diverse Skulpturen errichtet. Sehr eindrucksvoll ist die von Nelson Mandela vor einer Reihe von Metallsilhouetten.

Und ebenfalls beeindruckend das wunderbare Mosaik auf dem Boden.

Irritierend waren jedoch die bewaffneten Sicherheitskräfte, die hier überall präsent waren. Als ich ein Stück den Hügel hinab ging, um einen besseren Blick auf eine weitere Skulptur zu bekommen …

… kam gleich einer angerannt und rief mich zurück. „Don’t go there, M’am – this is not safe!“ rief er und meinte, mit meiner Kamera und meinem offensichtlich „reichen“ Aussehen würde ich in Nullkommanix einem Überfall zum Opfer fallen. Auch wenn das reichlich übertrieben klang, denn es war weit und breit niemand zu sehen – leicht mulmig war mir schon und ich trabte brav zurück nach oben in die „safe zone“.

Zurück ins Auto und dann mit Hilfe des Navis raus aus der Stadt. Da der Weg unten durch die Innenstadt führte, sahen wir hautnah, was der Wächter meinte. Da war kein einziges weißes Gesicht weit und breit zu sehen – was ja an und für sich nichts besorgniserregendes wäre. Aber da waren Szenen, die man nicht unbedingt live erleben möchte – Männer, die sich stritten, Jugendliche, die ganz offensichtlich auf Krawall aus waren und erstmalig (und auch letztmalig!!!!) waren wir froh dass man die Autotüren nicht von außen öffnen konnte!

Port Elizabeth – auch wenn es sich selbst „The friendly City“ nennt – machte keinen allzu freundlichen Eindruck auf uns!

Raus ging es über diverse mehrspurige Schnellstraßen, inklusive mehrfachem Verfahren, weil das Navi mit sich überkreuzenden Straßen nicht klar kam bzw. ich nicht schnell genug auf die Anweisungen „Jetzt links abbiegen …“ etc reagierte. Aber egal – wir hatten ja Zeit und irgendwann lag das Chaos hinter uns, die Landschaft wurde wieder schön und wir näherten uns unserem heutigen Ziel.

Über gleich zwei Brücken, die über den Boesmanns River führten, gelangt man zur Halbinsel, auf der Kenton-on-Sea liegt. Unsere Unterkunft The Quarter Deck (von der ich nur wusste, dass es ein self-catering apartment war, denn Dieter hatte es gebucht und ich mich nicht weiter darum gekümmert) hatte uns lediglich mitgeteilt, dass wir die Schlüssel in einem Restaurant abholen sollten – und schon da waren wir hin und weg! Eine Mischung aus einem luftig-hellen Restaurant mit toller Terrasse und einer wunderbaren Stöberboutique  – Designer-Klamotten, Accessoires, Stoffe, Deko-Artikel, wo ich Stunden hätte zubringen können, aber aus unerfindlichen Gründen kein einziges Foto gemacht habe!!!!.

Eine nette Dame gab uns die Schlüssel, erklärte den Weg. Eine Querstraße weiter unten standen wir dann vor einer Art Zweifamilienhaus und Sekunden später leicht zweifelnd in einem Treppenhaus. Das konnte ja wohl kaum wahr sein – die Treppe führte hinauf in ein gigantisch großes Apartment, das ganz offensichtlich uns allein gehören sollte!

Nicht nur ein riesiger Wohnraum mit Küche, zwei Schlafzimmer mit 2 Bädern gab es hier – wir hatten sogar eine geschützte Terrasse mit kleinem Pool! Und das alles für knapp über 70€! Wir konnten es kaum fassen …

Und vom Balkon aus kann man sogar das Meer sehen!

Das war uns aber eindeutig zu weit weg, wir wollten näher ran! Aber first things first, bloß nichts überstürzen und lieber zuerst eine Stärkung. Die gab’s im House Kitchen, wo wir vorhin die Schlüssel abgeholt hatten. Cheesecake – sooo lecker!!!! Und dazu ein toller Blick!

Und weil es hier sooo schön war, redeten wir mit dem Empfangsdame, verlängerten um eine weitere Nacht nach unserem Besuch im Sibuya Reservat. Ein Blick in ihre Bücher – morgen war unser Apartment ebenfalls nicht vermietet, deshalb können wir unsere gesamten Sachen bis übermorgen dort lassen!!! Besser geht’s nicht!
Jetzt aber nix wie runter an den Strand! Nur – der ist gar nicht so einfach zu erreichen. Kenton liegt unglaublich malerisch auf einem kleinen Hügel zwischen zwei Flüssen bzw. deren Mündungen. Der Kariega im Osten und der Boesmansriver im Westen münden hier ins Meer und haben eine einzigartige Landschaft aus Dünen, Lagunen, Felsen und tollen Stränden geschaffen.

Hier gibt es die größte zusammenhängenden Dünenlandschaft der südlichen Hemisphäre! Aber anders als bei uns werden die Dünen keineswegs als schützenswert angesehen, sondern eher als massive Bedrohung! Sie werden ständig größer und bedrohen zunehmend die Häuser, der Sand gefährdet den Straßenverkehr, weil er ganze Fahrbahnen bedeckt und er ist wegen des ständigen Windes tatsächlich praktisch überall und nervt entsprechend.

Während andere Länder Programme haben, um Dünen zu erhalten, gibt es hier einen „Dune Management Plan“, um sie in Schach zu halten! Wie finden sie aber erst mal nur toll und freuen uns, dass man hier ohne Einschränkungen im weichen Sand herum stapfen kann. Barfuß geht es rauf auf die Dünen!



Und auf der anderen Seite wieder runter, zunächst zur Lagune.



Das Wasser ist momentan nur spärlich vorhanden, es ist Ebbe. Aber es ist traumhaft schön hier!!! Und außer ein paar Locals (mit Hund!) nix los. Keine Touristenhorden, keine Chinesen mit Selfiesticks, nichts, außer dem ziemlich heftigen Wind, der über alles einen leichten Sand-Gischt-Schleier hängt.




Wir wandern vor bis zu den Felsen, die schon von weitem spektakulär aussehen, aus der Nähe noch mehr. Auch wenn es hier weit und breit keine Vulkane gibt, wirkt das Gestein vulkanisch – denn so spitze, bizarre und gleichzeitig poröse Formen kennen wir nur von Vulkangestein.


Ein Geologe könnte hier sicherlich eine Menge mehr entdecken – wir finden das alles einfach nur spannend.








Wir wandern um die Felsen herum, bis uns ein Local darauf aufmerksam macht, dass die Flut rein kommt und wir demnächst ziemlich nasse Füße bekommen würden, wenn wir nicht schleunigst umkehren!

Tatsächlich wird das, was vorhin reiner Sand war, langsam ziemlich nass. Aber es wird irgendwie mit jeder Minute schöner hier – wir sind absolut hingerissen von diesem winzigen Ort mit dieser unglaublichen Natur!

Was jetzt noch fehlt, um das Ganze perfekt zu machen, wäre ein nettes Lokal mit gutem Essen, kaltem Bier und tollem Blick. Wen wundert’s – auch das gibt es hier! Jerry’s Pub &Bar, hoch oben auf den Klippen, mit Blick auf die (andere) Lagune und den Strand.
Aber noch war es nicht so weit – wir wollten mal schauen, wo wir uns morgen früh einfinden sollten. Das Sibuya Game Reserve , wo wir eine Nacht verbringen und zwei Game Drives machen wollten, ist ausschließlich mit dem Boot erreichbar, keine Straße führt dort hin. Die Anlegestelle liegt nur wenige 100m von unserer heutigen Unterkunft entfernt am Kariega River.

Heute Abend war der Bootsanleger allerdings fest im Griff einer Gruppe von Jungs, die uns etwas misstrauisch beäugten.

Wir wollten sie nicht stören, machten uns lieber wieder auf zu Jerry’s, wo wir einen schönen Platz mit Aussicht auf Lagune und Strand fanden.




Das Bier war frisch gezapft und kalt, die Pizza aus dem Holzkohle-Ofen knusprig und dünn, die Stimmung magisch, als die Sonne immer tiefer sank, die gesamte Atmosphäre dermaßen relaxt, dass wir wussten – hier wollen wir unbedingt noch ein paar Tage bleiben! Mal sehen, ob das irgendwie klappt …

Die Strecke von Jeffreys Bay bis Kenton-on-Sea:

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