23.02. – Auf der Jagd nach wilden Tieren: Im Sibuya Game Reserve

Für eine Nacht genügt eine kleine Tasche – wir reisen also heute mal mit leichtem Gepäck! Allerdings hat der Wetterbericht für heute und morgen leider Regen und Gewitter angesagt, die Regenjacken sind also eingepackt!

Morgens sieht es aber noch prima aus – wir schlafen aus, frühstücken ganz gemütlich (nachdem Dieter frische Ciabatta Brötchen in der Bäckerei geholt hat) und fahren dann kurz vor 11 Uhr runter zur Rezeption des Sibuya Reservats.

Zwar könnten wir unser Auto auch vor dem Haus stehen lassen und die rund 800m zu Fuß gehen, aber Sibuya bietet eine sichere Unterstellmöglichkeit im Hof an und bei einem Mietwagen geht man lieber auf Nummer sicher.

In der Rezeption werden wir herzlich von einer wunderschönen Katze begrüßt, aber auch die menschliche Begrüßung fällt super freundlich aus. Wir füllen die obligatorischen Fragebögen zu unserer Gesundheit aus, dann geht’s gleich zum Boot, denn unsere Mitfahrer, ein älteres Ehepaar aus East London, sind ebenfalls schon eingetroffen.

Jona, unser Guide für die kommenden beiden Tage, begrüßt uns und los geht’s – gaaaanz gemächlich! Denn im Ortsbereich gilt ein Tempolimit. Hinter uns sehen wir den Übergang der Flussmündung/Lagune zum Meer, vor uns schlängelt sich der Kariega River.


Am Ufer stehen dicht an dicht merkwürdige Bäume, die aussehen, wie Kakteen.

Jona hält kurz an, stellt den Motor ab, damit wir ihn besser verstehen und erklärt, dass das Euphorbias sind, eine extrem giftige Pflanze aus der Wolfsmilch Familie, die sowohl bei Hautkontakt heftige Ausschläge verursacht als auch schwerste Vergiftungserscheinungen, wenn man Teile davon isst.

Beides hatten wir nicht vor – aber es ist immer gut, zu wissen, wenn so was in der Nähe ist – auch wenn es, wie ich später leidvoll erfahren musste, nicht unbedingt hilft, weil man die Gefahr nicht immer sieht! Aber noch war alles prima – wir gondelten total entspannt den Fluss hinauf, sahen Wasservögel …
… beobachteten Fischadler im Flug (schwer zu erwischen, wenn sowohl das Ziel als auch man selbst in Bewegung ist!).

Und auch am Ufer war immer was los.

Fast eine Stunde ging es flussaufwärts, immer wieder konnte man gut erkennen, dass das Wasser hier nach wie vor heftig die Landschaft formt.

Schließlich kamen wir am Anleger des „Forest Camps“ an. Das Sibuya Game Reserve bietet (normalerweise!) Unterkunft in drei verschiedenen Kategorien – in der exklusiven Bush Lodge mit 4 Cottages, dem kleinen River Camp mit 4 Zelten oder im Forest Camp – 8 sehr komfortable Zelte, die ebenfalls alle direkt am Fluss liegen. Coronabedingt ist derzeit nur das Forest Camp geöffnet und buchbar. Hier hatten wir für eine Nacht ein Zelt mit Vollverpflegung sowie 2 Game Drives gebucht – einmal heute Nachmittag, eine weitere morgen früh (falls uns der Regen keinen Strich durch die Rechnung macht!)  

Bevor wir unsere Zeltunterkunft beziehen konnten (ich war schon mega gespannt, wollte auf dieser Reise unbedingt mal in einem Zelt übernachten!) gab es einen Empfang mit Getränken und anschließendem Büffet in der Lounge. Heute war da nicht viel los, denn außer uns war nur noch eine (deutsche!) Großfamilie mit mehreren Kindern da, außerdem zwei junge Paare aus der Schweiz, die heute Nachmittag und morgen früh mit uns beim Game Drive dabei sein würden. Das ältere Paar, das mit uns im Boot war, wollte sich hier nur mit der Familie treffen und nach dem Mittagessen wieder zurück fahren.

Wenn mehr Betrieb ist, wird abends gegrillt und ums Feuer gesessen – momentan läuft aber alles ein bisschen auf Sparflamme. Wir erfuhren, dass hier normalerweise 30 Ranger arbeiten – derzeit sind es nur noch 6, weil die Gäste aus dem Ausland ausblieben.

Das Büffet war richtig gut, es gab Fleisch, Fisch, Salate und viel Gemüse, Süßkartoffeln und einen leckeren Nachtisch. Außerdem Getränke nach Belieben – am Nebentisch wurden die Weinflaschen aufgefahren, bei uns gab es nur Wasser und Softdrinks, auch die Schweizer tranken bei 38°C am Mittag keinen Alkohol.

Danach wurden wir zu unserem Zelt eskortiert.

Eine fast endlose Wanderung über einen Boardwalk – man bemüht sich hier, so wenig wie möglich in die Natur einzugreifen und möglichst wenige Spuren zu hinterlassen. Deshalb hatten wir auch gleich in der Rezeption eine Trinkflasche bekommen mit der Bitte, diese im Camp aufzufüllen und auf Wasser aus Plastikflaschen zu verzichten.

Dann waren wir da – unser Zelt, sehr komfortabel und absolut isoliert von allen anderen! Die nächsten Nachbarn waren etliche Dutzend Meter entfernt, man sah und hörte nichts von ihnen.

Innen erstaunlich geräumig, mit allem Komfort – auch wenn man sich den Raum natürlich gelegentlich mit ein paar Spinnen oder anderen Krabbeltieren teilen muss. Affen kommen auch vorbei, deshalb müssen Türen und Fenster immer fest verschlossen werden!


Das Badezimmer ist toll – mehr oder weniger im Freien, die Natur wird nur durch Moskitonetze auf Abstand gehalten. Aber es gibt nicht nur eine Dusche, sondern sogar eine Badewanne, wo man quasi in der Natur ein Schaumbad nehmen könnte!


Zum Fluss mit einer netten Sitzbank waren es nur zwei Schritte, der Blick fantastisch.

Auf der Terrasse lag aber auch ein gemütlicher Sitzsack, auf den ich mich gleich fallen ließ – nachdem ich vorher einen Bikini angezogen hatte, um die Sonne zu genießen!

Ein fataler Fehler, wie sich später herausstellen würde – irgendwie war wohl Saft oder kleine Pflanzenteile des Euphorbia Baumes auf dem Sitzsack gelandet, denn genau da, wo mein Rücken mit dem Sack in Kontakt kam, außerdem am Nacken, wo das Nackenkissen war, entwickelten sich in den folgenden Stunden und Tagen grauenhaft juckende Pusteln und Blasen!!! Und das, obwohl ich nach der ersten Sitzprobe gleich ein Handtuch auf den Sack gelegt hatte – aber da war es wohl schon passiert!

Aber noch war alles im grünen Bereich, wir genossen unsere kleine Auszeit und trabten pünktlich kurz vor 17 Uhr wieder vor in die Lounge. Die heutige Ausfahrt war um eine Stunde nach hinten verschoben worden, weil es heute einfach zu heiß war und die Tiere sich in den Schatten der undurchdringlichen Büsche verkriechen würden.

Leicht verwundert sah ich zu, wie sich die 4 jungen Schweizer alle einen großen wollenen Poncho von einem Stapel nahmen. Und das bei 38°C!!!! Ich gehöre ja auch zur Fröstelfraktion – aber das schien mir dann doch etwas übertrieben. Allerdings waren die 4 schon seit gestern da und erklärten überzeugend, dass es ziemlich schnell ziemlich kalt wird, wenn die Sonne erst mal weg ist. Also nahm ich mir auch einen Poncho – man kann sowas ja auch als Sitzkissen benutzen …

Vor der Autofahrt kam nochmal eine Bootsfahrt, denn vom Camp aus führt kein Weg ins Reservat.

Dann ging’s los, in einem offenen 9-sitzigen Allradfahrzeug. Wir saßen leicht erhöht ganz hinten, von da aus konnte man alles prima überblicken, denn das Auto war auch nach hinten offen. Kaum unterwegs, kamen auch schon die ersten Tiere ins Blickfeld – Impalas, eine kleine und sehr hübsche Antilopenart.


Dann tauchte ein Nyala Weibchen auf, erkennbar an ihrem gestreiften Fell, verschwand aber schnell wieder im Gebüsch.

Ob mit oder ohne Tiere – die Landschaft hier ist richtig schön! Und erstmalig fühlten wir uns ein bisschen „in Afrika“ …

Nun erschien auch Herr Nyala, ein ziemlich stattliches Exemplar, mit langen Hörnern und elegantem Bart.

Schon nach relativ kurzer Weiterfahrt kamen wir an ein Wasserloch und hielten fast den Atem an – 3 riesige Rhinos waren dort auf einen Trunk und ein Bad eingekehrt.



Wie in vielen Reservaten sind die Rhinos auch hier ständig von Wilderern bedroht – erst vor 3 Jahren wurden zwei auch in Sibuya getötet und das Horn entfernt, die Wilderer waren über den Fluss eingedrungen. Umso mehr bewunderten wir die drei Giganten, die sich von uns nicht im Geringsten stören ließen!


Und nicht nur das – die Giganten kamen immer näher an unser Auto heran, wo wir mit abgestelltem Motor ganz still saßen. Nur das Klicken der Kameras war zu hören, so dass ich schließlich meinen Auslöserton abstellte.

Als uns einer der Jungs doch ziemlich auf den Pelz rückte und sogar versuchte, uns ein bisschen anzuschubsen, ließ Jona doch wieder den Motor an und wir machten uns vom Acker. Denn auch wenn sie momentan sehr friedlich wirkten – Rhinos sind nicht ungefährlich!


Weiter ging’s – aber vorher musste noch ein unglaublich blau schillernder Vogel – ein Starling (Glanzstar) – fotografisch eingefangen werden. Seine orangefarbenen Augen bilden einen Wahnsinns-Kontrast zu den metallisch-blau schillernden Gefieder.

Herden von Antilopen kamen jetzt aus dem Gebüsch, um zu grasen.


Jona hatte sich in den Kopf gesetzt, irgendwo die Löwen aufzustöbern, fuhr kreuz und quer durch’s Gelände, sichtete sie auch einmal kurz in der Ferne – aber bis wir hin kamen, hatten sie sich wieder im Gebüsch verkrochen.

Schließlich wurde es zunehmend dämmrig, Zeit für den versprochenen Sonnuntergangsdrink. Auf einer Anhöhe hielten wir an, Jona eröffnete die Bar, servierte kaltes Bier, Wein, Gin Tonics und dazu kleine Snacks.

Und wir – wir waren alle sechs (trotz fehlender Löwen!) irgendwie alle einfach nur glücklich und zufrieden. Genossen die magische Abendstimmung …

… den afrikanischen HImmel …

… die entspannte Atmosphäre.

Und waren alle dankbar dafür, dass wir in Zeiten wie gerade jetzt hier sein konnten und durften. Und auch dankbar für die warmen Decken – denn es wurde tatsächlich sehr schnell frisch!

Zurück im Camp gab es ein weiteres gutes Essen – und zur großen Freude von mir und einer der Schweizerinnen Malva Pudding mit Vanillesauce zum Nachtisch!!!!!

Der perfekte Abschluss eines perfekten Tages!

Ein Kommentar zu “23.02. – Auf der Jagd nach wilden Tieren: Im Sibuya Game Reserve

  1. Was für ein toller, erlebnisreicher Tag! 
    Besonders gut hat mir eure Unterkunft gefallen, ich schwärme für solche Zelte. Wobei eures ja wirklich Luxusklasse war, wir hatten auch schon mal das Badezimmer im Freien – aber ohne Moskitonetz! 

    Hätte man in dem Fluß, der so verlockend nahe an eurem Zelt vorbeifloß, auch baden können, oder gibt es gefährliches Getier in ihm?

    Das vorletzte Foto -die Abendstimmung- ganz wundervoll!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: