25.02. – Sonne und Wind, Sand und Meer: Kenton-on Sea

Die Nacht war ziemlich unbequem. Mein Rücken stand quasi in Flammen und juckte gleichzeitig fürchterlich. Nur – zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch gar nicht, was das überhaupt war, und dachte eher an irgendwelche tierischen Verursacher!

Jedenfalls war ich schon früh wach und kam deshalb in den Genuss des Sonnenaufgangs über den Hügeln. Die geht hier (wie überall) im Osten auf, wandert danach aber nicht nach Süden, sondern nach Norden, bevor sie (wie überall auf der Welt) im Westen untergeht.

Eigentlich sonnenklar, nur hatte ich das bei unserer ersten Reise über den Äquator überhaupt nicht auf dem Schirm. Was damals einige Probleme bei meinen Versuchen der Navigation nach der Sonne verursachte… Aber inzwischen wissen wir Bescheid und können bestens nach Sonnenstand navigieren!

Momentan navigierte ich aber nur aus dem Bett und auf den Balkon, um der Sonne beim Aufgehen zuzusehen.

Heute mussten wir umziehen, denn unser schönes Apartment ist schon weiter vermietet – aber mit sehr viel Glück hatten wir noch eine weitere Nacht in einem anderen Apartment ergattert. Dort konnten wir allerdings erst ab 15 Uhr einziehen, bis dahin mussten wir uns anderweitig vergnügen.

Um Punkt 10 gaben wir die Schlüssel an der Theke des „House Kitchen“, ab, einem tollen Restaurant mit Boutique, das zu unserer Unterkunft gehört. Danach steuerten wir zunächst Port Alfred an, rund 20 km von Kenton entfernt. Auf der Suche nach einer Unterkunft hier in der Gegend hatten wir das auch in Erwägung gezogen und wollten jetzt mal schauen, wie es dort so gewesen wäre.

Auf den ersten Blick konnte es nicht wirklich mit Kenton mithalten. Zwar gibt es einen netten kleinen Yachthafen, der allerdings nicht am Meer, sondern an einem Fluss liegt. Wir wurden neugierig und machten uns auf die Suche nach dem Meer. Gar nicht so einfach, denn das gesamte Wohnviertel um den Hafen herum ist hermetisch abgeschlossen. Hier wohnen offenbar die reicheren Einwohner.

Wir landeten schließlich doch am Meer – zuerst am East Beach, wo ein Parkplatz fast im Sand verschwand und wir nur vor einer riesigen Düne standen, ohne Sicht auf’s Wasser. Also ging die Suche weiter und schließlich erreichten wir die Flussmündung. Ein langer Pier, allerdings im Verfallstadium, schützt hier den Fluss vor zu viel Sand – der blies uns allerdings ganz ordentlich um die Ohren!


Sand und Gischt hingen wie Nebel in der Luft, eine merkwürdige Stimmung …


Noch eine kurze Runde durch den Ort, der deutlich größer ist als Kenton, aber auch deutlich weniger Charme hat. Zurück ging es durch Kenton hindurch auf die andere Seite des Boesman Rivers. Auf der Herfahrt hatten wir was von „Cannon Rocks“ gelesen – das wollten wir mal näher anschauen.

Tatschlich gibt es am Straßenrand einen Wegweiser zu diesen Felsen, zuerst landeten wir allerdings am Boknesstrand.

Hier formt der Boknesriver eine große Lagune, die offenbar ein Paradies für Wasser- und andere Vögel ist. Einen echten Zugang zum Meer scheint es aber nur noch bei Flut zu geben.


Auch hier merkt man deutlich, dass die Saison weitgehend zu Ende ist, selbst an einem Freitag war nichts los. Gut möglich allerdings auch, dass alle Urlauber beim Mittagessen saßen. So ganz allmählich bekamen auch wir Appetit. Aber kein Essen, bevor wir nicht endlich rausgekriegt hatten, wo und was die Cannon Rocks waren!

Über eine Sandpiste fuhren wir langsam an unzähligen Ferienhäusern vorbei. Vom Strand war nichts mehr zu sehen, hohe Dünen versperrten die Sicht. Man musste schon ein paar Schritte gehen, um Wasser zu sehen – oder auch, um Lyrik am Strand zu entdecken …

Erst als die Straße endete, löste sich das Rätsel – denn hier standen zwar keine Felsen, aber zwei ziemlich verrostete Kanonen!

Der Legende nach stammen sie aus dem Wrack der São João Baptista, die hier 1622 an den vorgelagerten Felsen zerschellte. Ob das wirklich stimmt, weiß allerdings keiner, denn es liegen etliche Wracks hier vor der Küste. Wir fuhren zurück nach Kenton, wo man sein Auto nicht allzulange an diesem Strandparkplatz abstellen sollte, sofern man nicht bereit ist, es ggf. frei zu schaufeln!

Das Meer hatte sich weit zurück gezogen, wir schauten nach einer Möglichkeit, von hier aus zu den Felsen zu kommen, wo wir am ersten Tag gewesen waren. Aber bei genauerer Betrachtung war das hier doch eine ganz andere Ecke – da mussten wir später nochmal herkommen!


Jetzt ging es erst mal oberhalb des Strandes, mit Blick auf die Lagune und den Kariega River, zurück in den Ort. Denn mittlerweile war Mittag längst vorüber und unsere Mägen knurrten hörbar – das Frühstück lag schon eine halbe Ewigkeit zurück!


Wegen des heftigen Windes konnten wir im House Kitchen leider nicht auf die Terrasse, aber ein Platz am Fenster war auch schön und das Essen – ein toller Salat mit Hähnchenbrust und Avocado, begleitet von knusprigem Ciabatta – ein Gedicht! Ringsum trank man ganz selbstverständlich Wein zum Lunch – wir beließen es bei hausgemachter Ingwerlimonade und Kaffee.

Noch ein kurzer Sprung zum Supermarkt, denn auch morgen früh müssen wir uns selbst ums Frühstück kümmern, dann wurde es Zeit, unser neues Domizil zu beziehen. Erstmalig war das nicht ganz einfach, denn an der angegebenen Adresse war weit und breit kein Mensch, obwohl wir per Mail eine konkrete Ankunftszeit vereinbart hatten. Unter der Telefonnummer am Eingang war nur jemand zu erreichen, der kaum zu verstehen war und lediglich murmelte, wir sollten warten. Erst einige Zeit später kam ein Rückruf von einer Dame namens Lou, die meinte, es würde noch so 10-20 Minuten dauern, bis sie kommen könnte, weil sie noch andere Einzüge abwickeln müsse.

Nun wurde ich allerdings echt sauer, denn mittlerweile standen wir ja schon rund 15 Minuten vor dem Haus! Nachdem ich ihr das klargemacht hatte und sie wohl merkte, dass wir nicht begeistert davon waren, in der prallen Sonne ewig herum zu stehen, kam Lou aber tatsächlich 5 Minuten später an und ließ uns ins Haus.

Und da waren wir wirklich platt – 240qm purer Luxus dehnten sich vor uns aus! Schon vom Eingangsbereich aus schaute man in einen gigantischen offenen Wohn- und Essbereich mit einer tollen Küche.




Zwei geräumige Schlafzimmer, jedes mit eigenem riesigem Bad, standen ebenfalls zur Verfügung.

Außerdem einen geschützten Innenhof (prima bei dem Wind!) mit Grill und einen weiteren Sitzplatz im Garten vor dem Haus. Wäre noch ein Pool dabei, wäre es das Traumhaus schlechthin – aber auch so waren wir hin und weg.

Lou zeigte uns kurz alles (wobei mich besonders der Hausarbeitsraum mit Waschmaschine und Trockner begeisterten!) und überließ es uns, welches der Schlafzimmer wir wählten.

Unzählige tolle Details gab es hier überall – angefangen vom Wasservorrat im Kühlschrank, einer Flasche Milch, sehr gutem Öl und hochwertigen Gewürzen bis hin zu hervorragendem Kaffee und Tee sowie Gebäck. Auch Gläser, Besteck und Geschirr waren von hoher Qualität – wirklich schade, dass wir das nur eine einzige Nacht genießen würden!

Trotzdem rissen wir uns los – allerdings erst, nachdem eine Ladung Wäsche in der Maschine war! Denn das war mittlerweile mal wieder dringend nötig. Dann ging’s aber raus, runter zum Strand. Wir hatten was von einer „Jacobs Ladder“ gelesen, die über die Dünen rauf auf die Felsen führen sollte, die sollten wir suchen.

Auf der höchsten Düne war einiges los – mehrere Kinder rannten/krabbelten immer wieder hoch und rutschten dann herunter.

Da die dabei stehenden Erwachsenen sehr nach Locals aussahen, fragte ich sie nach der Jakobsleiter. Zwar waren es alles Bewohner des Ortes, aber von diesem Weg hatten sie noch nie was gehört und hielten es für eine Erfindung des Touristenbüros, die das einfach auf den Stadtplan gedruckt hatten. Wir unterhielten uns noch eine ganze Weile über Gott und die Welt – und nicht zuletzt über den Kriegsbeginn in der Ukraine, der selbst hier ein Top Thema ist. Weltweit ist man erschüttert – und man wollte sogar wissen, ob wir nicht besser noch eine Weile hierbleiben wollten, statt ins unsichere Europa zurück zu kehren.

Zum Glück haben wir ja noch ein paar Tage Zeit hier, heim geht’s erst am 7. März, aber niemand glaubte, dass dieser Krieg bis dahin beendet ist … Trotzdem versuchten wir, das alles erst mal auszublenden und kraxelten ebenfalls die Düne hoch.


Von oben hatte man eine eine gute Aussicht auf die Flussmündung. Da der starke Winde den Sand in die Luft blies, sah alles leicht weichgezeichnet aus …



Wie vor zwei Tagen, liefen wir durch den feinen Sand vor zu den Felsen.


Heute konnte man bis in eine kleine Bucht gehen, die Ebbe hatte den Weg frei gemacht.


Und hier gab es tatsächlich auch einen Aufstieg rauf auf die Felsen! Das Gestein sah auch hier oben stark nach Lava aus, war sehr rauh und ich war froh, dass ich meine Flipflops im Rucksack dabei hatte, denn die Steine waren teils messerscharf!


Von oben sah die Strandlandschaft im späten Nachmittags- (und extremen Gegenlicht!) fast unwirklich aus.



Es wurde langsam spät – und wir mussten ja noch vor der Flut wieder um die Felsen rum laufen!

Also ging’s zurück. Die Wäsche war mittlerweile gewaschen und wanderte in den Trockner sowie eine zweite Ladung in die Maschine – dann ging’s ein letztes Mal zu Jerry’s on the Dune, wo heute mächtig was los war – schließlich war Wochenende! Trotzdem gab’s nochmal ein gutes Essen mit toller Aussicht und wir waren uns einig, dass wir sehr gerne nochmal nach Kenton kommen würden!

Denn hier stimmt einfach alles – ein wirklich hübscher kleiner Ort in einer traumhaft schönen Umgebung, tolle Unterkünfte und prima Essen! Was will man mehr???

Die heutige Ausflugsstrecke:

Ein Kommentar zu “25.02. – Sonne und Wind, Sand und Meer: Kenton-on Sea

  1. Eure bisherigen Unterkünfte waren ja schon außergewöhnlich, aber die heutige schlägt wirklich alles! Wo findet ihr nur solche Paläste, die -nehme ich mal an- auch noch bezahlbar sind?

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