01.03. – Durch die Große Karoo: Graaff-Reinet und Valley of Desolation

Trostlos, verlassen, verzweifelt, verwüstet – das alles bieten Übersetzungs-Apps an, wenn man „Desolation“ eingibt.
Ganz anders unser Gastgeber Mr. Hitge von der Hitgeheim Country Lodge – der geriet förmlich ins Schwärmen, als er hörte, wohin wir heute fahren wollten! 

Unser Ziel war das „Valley of Desolation“ bzw. die Stadt Graaff-Reinet.

Morgens beim Frühstück erkundigte sich Mr. Hitge mehr oder weniger routinemäßig nach unserem nächsten Ziel und war deutlich überrascht, als er hörte, wohin wir wollten. Offenbar kommt es nur sehr selten vor, dass seine Gäste nach dem Addo NP noch Ziele weiter nördlich ansteuern.

Er war völlig begeistert und wollte als erstes wissen, welche Strecke wir fahren wollten. Wir nannten ihm unsere geplante Route – alles eher kleine Straßen – und er legte sofort Einspruch ein. Ausnahmsweise sollten wir hier mal weder die kürzeste Strecke noch die kleinen Pisten nehmen, sondern eine völlig andere Route. Denn, wie er sagte „Wenn ihr WIRKLICH mal sehen wollt, wie unglaublich eindrucksvoll die Große Karoo ist, müsst ihr die N10 bis Cookhouse und danach die R63 nehmen!“ 

Natürlich könne man „unten rum“ fahren – also viel Staub schlucken und wenig sehen. Aber die von ihm genannte Strecke würde uns spektakuläre Ausblicke bescheren!

Er gab uns noch einen weiteren Tipp, denn für heute Abend waren Gewitter angesagt. „Ein Gewitter oben im Valley of Desolation zählt zu den ABSOLUTEN HIGHLIGHTS! Wenn man da oben sitzt, die Karoo zu Füßen und dann Blitze und Donner erleben kann – das vergisst man nie im Leben! Das ist wie Cinemascope!“

Okay – da waren wir jetzt nur bedingt scharf drauf, aber ansonsten nahmen wir uns seine Tipps sehr zu Herzen. Zuerst mussten wir allerdings wieder die Baustellenstrecke bis hinter den Addo NP hinter uns bringen, danach ging es aber auf der N10 zügig nach Norden. Zunächst durch eher flaches Gelände, durch das „Golden Valley“, mit abgeernteten Getreidefeldern und niedriger, buschiger Vegetation.

Ab Somerset East wurde es dann etwas hügeliger – und die Landschaft immer schöner! Auch wenn es auf den Fotos nicht so aussieht – es gab durchaus einigen Verkehr, vor allem LKWs waren unterwegs. Einfach mal kurz anhalten, um Fotos zu machen, war kaum möglich – zumal auch immer wieder Polizeiautos unterwegs waren!

Aber manchmal ging es doch, dann konnten wir die Schönheit dieses ausgedehnten Hochplateaus wenigstens ein bisschen aufnehmen!



Die Karoo ist vor allem eines – sehr weitläufig und sehr einsam. Es gibt oft meilenweit nichts, kein Haus, kein Dorf. Nur Natur …



Nach ca. 3 Stunden näherten wir uns unserem Ziel, in der Ferne tauchten schon merkwürdige Berge auf.

Statt in Graaff-Reinet gleich zu unserer Unterkunft zu fahren, beschlossen wir, zuerst in den Camdeboo Nationalpark zum „Valley of Desolation“ zu fahren, denn die Wolken nahmen zu und die Gewittergefahr war nach wie vor präsent. Das kleine Häuschen am Parkeingang sah zunächst unbesetzt aus, dann kam aber doch jemand raus, der kaum glauben konnte, dass sich Besucher aus Übersee hierher verirrten! Er meinte, wir hätten den Park fast für uns alleine – nur zwei weitere Autos seien derzeit dort!

Auf schmalem Sträßchen ging es hinauf, vorbei an zackigen Berggraten.



In jeder Kurve gab es unglaubliche Panoramen zu bestaunen!

Unten im Tal kann man das Städtchen Graaff-Reinet erkennen.

Zur anderen Seite nichts als Natur.

Schließlich stellten wir das Auto ab und gingen zu Fuß eine kleine Erhebung rauf.

Von hier aus sah man links Felsen, die fast wie eine Burg aussahen.

Auf der anderen Seite lag uns erneut die Karoo zu Füßen.

Nach ein paar hundert Meter mit dem Auto, dann waren wir auf einem Parkplatz, wo ein einziges weiteres Auto stand. In dem saßen zwei (ziemlich junge!) Leute, mit laufendem Motor, Klimaanlage aufgedreht und Handys in der Hand. Wozu man deswegen in so eine traumhafte Ecke fährt, werden wir wohl nie verstehen.

Immerhin konnte man die Sache mit der Klimaanlage verstehen – denn mittlerweile hatte es 36°C, das Gewitter ließ weiter auf sich warten. Trotz der Hitze machten wir uns auf den Weg, denn der Aussichtspunkt sollte nur rund 600m entfernt sein. Es ging über Sandsteinplatten und -stufen stetig bergauf, da kam man enorm ins Schwitzen!

Die Strecke wäre aber völlig problemlos gewesen, wenn nicht irgend ein eifriger Ranger hier mit einer Sense das Gras gemäht hätte! Das getrocknete Gras lag auf den Steinen und verwandelte den Pfad in eine absolute Rutschbahn! Es war ziemlich mühselig, immer zuerst das Gras mit dem Fuß weg zu schubsen, damit man nicht ins Rutschen geriet.

Aber oben angekommen, war das gleich vergessen – ein absolut unglaubliches Panorama breitete sich vor uns aus! Die senkrechten Pfeiler aus rotem Sandstein waren schon am hellen Tag unglaublich eindrucksvoll, noch mehr vermutlich beim Sonnenuntergang, wenn sie rot glühen.




Auf der anderen Seite musste man nur ein paar Schritte gehen …


… dann hatte man wieder einen weiten Blick.

Wenn es nicht so unglaublich heiß und schattenlos hier oben gewesen wäre, wäre das ein prima Platz für ein tolles Picknick! Nicht nur das – man hätte auch ins Tal absteigen können, denn unten durch die Schlucht führen Wanderwege. Allerdings lagen dort die Temperaturen nochmal etliche Grad über denen hier oben, also kein guter Plan für heute!

So traten wir nach einer Weile wieder den Rückzug an, schlitterten über die rutschigen Stufen runter zum Auto und machten uns auf den Weg nach unten.



Unten angekommen, drehten wir noch eine Runde um den See, von dem aber kaum was zu sehen war. Eine Herde Oryx Antilopen ließ sich von uns nicht stören.


Das Gewitter ließ weiterhin auf sich warten, obwohl es in der Ferne immer mal wieder grollte. Trotzdem war uns jetzt eher nach Schatten, deshalb suchten wir unsere Unterkunft auf. Im Whyte House hatten wir – wieder für sehr kleines Geld! – die Honeymoon Suite gebucht – ein riesiges Loft über einer Garage, nach vorne fast komplett verglast und deshalb mit toller Aussicht.

Sogar eine Küche hatten wir hier! Ein bisschen gewöhnungsbedürftig war das völlig offene Bad – die Badewanne hinter dem Bett, die Toilette nur halbherzig mit einem Paravent abgeschirmt … Und wir wurden gleich eindringlich ermahnt, bloß kein Wasser zu verschwenden – während woanders der Strom rationiert wird, ist es hier das Wasser, denn es hat seit Wochen nicht geregnet!

Das wurde allerdings bald anders – denn tatsächlich kam das angekündigte Gewitter und ein bisschen Regen. Der hörte aber schon nach einer halben Stunde auf, so dass wir uns – auf Anraten unseres Gastgebers – entschlossen, zu Fuß zum Essen zu gehen. „Ca. 400 m, a nice little walk!“ meinte er – am Ende waren es sicher 1.400m! Dummerweise hielten wir uns auch nicht an die Empfehlun gunseres Wirtes, sondern gingen in das Lokal nebenan, das einen großen Biergarten, aber leider kein besonders gutes Essen hatte.

Aber immerhin war das Bier kalt und zu Hause gab’s dann noch ein Glas Wein mit Aussicht!

Das war die heutige Strecke:

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