4./5. März – Total verregnet: Im Vorland der Drakensberge

Man schläft prima, wenn es regnet. Wenn das gleichförmige Trommeln auf dem Dach einen in den Schlaf lullt und man es warm und trocken hat. Aber man wacht nur sehr ungern auf, wenn es draußen schüttet! 

Es hatte gestern Abend begonnen, dann die ganze Nacht durchgeregnet und auch am Morgen gab es keinerlei Anzeichen für eine Wetterbesserung! Und wir hatten doch soooo sehr gehofft, dass sich der Wetterbericht mal wieder zu unseren Gunsten geirrt hatte und wir in der Morgensonne auf der Terrasse frühstücken konnten!

Nicht nur das Terrassenfrühstück fiel aus, ich musste auch gleich eine Riesenpfütze aufwischen, denn gestern Abend hatte ich versäumt, den Sandsack wieder vor die Terrassentür zu legen (hatte mich noch gewundert, was das soll!) und am Morgen stand das Wasser im Flur – der zum Glück gefliest war!

Jetzt einfach da zu bleiben, den Bullerofen anzumachen (es hatte nur noch 15 Grad!) und den Regentag in unserem gemütlichen Apartment verbringen! Das wäre aus unserer Sicht ideal gewesen, denn die Wetteraussichten an unserem heutigen Ziel waren mehr als schlecht. Ging aber leider nicht, weil heute schon wieder neue Gäste kamen…

Ein echtes Highlight gab es dann aber doch gleich am Morgen: Punkt 9 Uhr klopfte es an der Tür, zwei strahlende Damen standen davor – eine mit einem üppig beladenen Tablett in den Händen, die andere mit einem riesigen Schirm, der Tablett und Trägerin beschützte.

In Nullkommanix wurde der Frühstückstisch gerichtet, es gab frisch gepressten Saft, wunderbaren Kaffee, cremigen Joghurt mit Granola, Obstsalat und Croissants, Butter, Honig, Marmelade …. Und das war nur der erste Gang! Wenig später kam das Duo erneut und brachte Toast sowie heiße Teller mit fluffigen Pancakes, Sahne und Beeren für mich und Rührei mit Schinken und Tomaten für Dieter. Wir waren bei unserer Ankunft gefragt worden, wann und was wir zum Frühstück wollten – und das war das Resultat (das ich dummerweise nicht im Bild festgehalten habe …)

Eine Stunde später mussten wir leider raus, in den nach wie vor strömenden Regen – zum Glück stand unser Auto nur wenige Meter von der Tür entfernt unter einem schützenden Dach! Trotzdem waren wir etwas feucht, als wir schließlich los fuhren. Oder besser, schlitterten – denn der Weg zu unserer Unterkunft (ohnehin nur eine Art Feldweg) hatte sich über Nacht in eine lehmige Rutschbahn verwandelt.

Im Zeitlupentempo schafften wir es dann aber unbeschadet auf die nächste Teerstraße und raus aus dem Dorf. Unser Weg führte uns nochmal – heute in ganzer Länge – durch den Golden Gate Highland Park, der allerdings bei Regen und Nebel nicht ganz so malerisch wirkte wie gestern. Auch wenn es zwischendurch mal kleine Regenpausen gab, blieb es heute trüb und nass.


Und kaum waren wir raus aus dem Park und fuhren Richtung Süden, kam zum wieder verstärkten Regen auch noch Nebel hinzu – von der eigentlich wunderschönen Strecke bekamen wir so gut wie gar nichts mit!

Trotzdem vermieden wir die Schnellstraße N3 und näherten uns unserem Ziel in den Natal Midlands von KwaZulu-Natal so lange wie möglich auf Nebenstraßen. Schließlich landeten wir aber doch auf der N3, verpassten auch noch die Ausfahrt Mooi River und mussten einen ziemlich langen Umweg in Kauf nehmen. Über kleine Dörfer mit ulkigen Namen wie Nottingham Road und Rosetta kamen wir dann aber doch zu unserem Ziel, dem Glen Ormond Country House. Die Bilder auf der Webseite waren toll, der Preis unglaublich niedrig – wir waren gespannt …

Vor einem mächtigen Tor mit Löwenstatuen auf den Pfeilern hielten wir an, denn uns war mitgeteilt worden, dass wir anrufen sollten, wenn wir am Tor seien. Das klappte auch reibungslos, das Tor öffnete sich und es ging eine schier endlose Auffahrt zwischen Bäumen hindurch rauf zu einem riesigen Vorplatz. Jennifer hatte am Telefon gesagt, wir sollten gleich rechts in ihr Büro kommen und da war sie auch – ein blondes Energiebündel, obwohl sie die 60 schon weit überschritten hat (behauptet sie), die uns gleich mit einer Fülle von Infos zu den Midlands und dem Midlands Meander überschüttete,

Denn da waren wir jetzt – in den Natal Midlands, am Fuß der Drakensberge! Für heute und morgen hatten wir eine ganze Reihe von Sightseeingtouren Richtung Drakensberge ausgeguckt und geplant, denn die Landschaft hier ist wunderschön! Aber daraus wurde erstmal nichts, obwohl der Regen netterweise eine kleine Pause einlegte, als wir das Gepäck zu unserem Cottage schleppten.

Das war sehr geräumig, hatte zwei Schlafzimmer und eine riesige Veranda mit Grill, Tisch und sogar einem Sofa.


Auch der Blick war nett …
Da der nächste Schauer aber schon im Anzug war, gab es zuerst mal einen Kaffee und danach wurden kurze Regenpausen dazu genutzt, das Auto komplett auszuräumen. Denn dies war leider schon die vorletzte Station vor unserem Heimflug am 7. März. Nach 6 Wochen Reisezeit lag vieles irgendwo im Auto herum, das nun in Koffer und Taschen verstaut werden musste – so kann man einen verregneten Nachmittag auch füllen …

Schon vor 18 Uhr brachen wir zum Abendessen auf, denn Jennifer meinte, später würde es sehr voll werden und außerdem schließe die Küche um 20 Uhr. Alle Farmer aus der Umgebung kommen am Freitagabend in die wenigen Lokale der kleinen Dörfer, um das Wochenende einzuleiten, meinte sie, da könne es schon mal sehr voll und sehr laut werden. Sie hatte uns einen Tisch im Pub eines rund 16 km entfernten Hotels in Nottingham Road reserviert, wir wollten aber vorher im Dorf noch was fürs morgige Frühstück sowie eine Flasche Wein kaufen.

Der kleine Supermarkt war erstaunlich gut bestückt, hatte sogar frisches Ciabatta, nur Alkohol gab es dort keinen, auch kein Bier. Nicht weit weg war jedoch ein Bottle Shop – und dort hatten wir erstmalig ein mehr als mulmiges Gefühl. Der schmuddelige kleine Laden war außen komplett vergittert, es gab nur ein kleines Fenster, wo man offenbar bedient wurde. Ringsherum standen unzählige farbige Männer, viele davon ganz offensichtlich schon betrunken, andere mit Bierdosen in den Händen.

Trotzdem stieg ich aus dem Auto aus und wollte zum Fenster gehen, was sofort für erregte Aufmerksamkeit sorgte. Ich glaube nicht, dass eine echte Bedrohungslage bestand, trotzdem ging ich lieber schleunigst zurück zum Auto. Lieber kein Wein als Ärger …

Als wir am Pub ankamen herrschte auf der überdachten Terrasse trotz Regen und Fröstel-Temperaturen schon mächtig Betrieb. Dutzende Männer und Frauen (alle weiß) läuteten mit Bier, Wein und Pizza ziemlich lautstark den Abend ein. Innen herrschte hingegen gähnende Leere – das änderte sich auch nicht mehr.

Immerhin war die Pizza wirklich sehr gut, durch den im Raum stehenden Backofen war es angenehm warm und der Rotwein süffig. Wie hier üblich, konnten wir die angebrochene Flasche mit nach Hause nehmen (die praktisch noch voll war, denn wir hatten Bier zum Essen getrunken), so dass die auch dieses Thema erledigt hatte. Nur die Heimfahrt war ein Albtraum – sintflutartiger Regen und jede Menge Verkehr, denn weiterhin schien alles aus den Midlands in die Pubs zu strömen, uns kamen unzählige Autos entgegen. Dazu eine Straße, die vorwiegend aus Schlaglöchern bestand…

Ein Glas Rotwein beruhigte die Nerven wieder und der Nachtschlaf im kühlen Zimmer wurde durch das beheizbare Unterbett ungemein gefördert!

Die ganze Nacht hindurch regnete es weiter, am Morgen ebenso. Etwas halbherzig machten wir uns trotzdem auf, die Umgebung zu erkunden, gaben aber nach einer guten Stunde wieder auf. Die Straßen mit ihren vielen Schlaglöchern und immer wieder unbefestigten Teilen sind bei Starkregen nichts für schwache Nerven – und viel sehen konnte man ohnehin nicht.

Also wurde weiter sortiert und gepackt, bis schließlich alle Habseligkeiten in den beiden Koffern und einer zusätzlichen Tasche mit Winterklamotten für die Ankunft in Deutschland verstaut waren. Jetzt waren wir reif für Kaffee und Kuchen und wollten wirklich einfach nur raus! Jennifer hatte auch hier einen Tipp: Das Blueberry Café! Zwanzig Minuten Fahrt – dann waren wir in einer traumhaft schönen Oase gelandet!

Ein riesiges Anwesen, mehrere Lokale, unglaublich schön und fantasievoll eingerichtet. Das Café ist eine Mischung aus einem gigantischen Wintergarten mit tropischen Pflanzen und einem gemütlichen Wohnzimmer…


Der Kuchen war ein Gedicht, der Cappuccino aromatisch, das Sofa urgemütlich und es gab viel zu sehen und zu kaufen…




In einem Zwischengang vom Café zum Restaurant und Pub befinden sich die Toiletten. Auch die haben eine Besonderheit – „A loo with a View!“. Zu einer Seite raus sind sie komplett verglast!

Noch ein kurzer Blick in den angrenzenden Pubbereich, wo Bier aus der hauseigenen Brauerei ausgeschenkt wird. (Und wo auf der Speisekarte explizit darauf hingewiesen wird, dass Steaks nur äußerst ungern „well done“ zubereitet werden, weil das der Qualität abträglich ist! Das steht so übrigens sehr häufig auf südafrikanischen Menus – bei der hohen Fleischqualität hierzulande sollte man ein Steak hier wirklich nur medium/medium rare gegrillt genießen.)


Hier kann man es auch an einem trüben Tag prima aushalten! Leider schließt das Café bereits um 16 Uhr und das Pub ist nur am Wochenende geöffnet. Zwar war heute Samstag und das Pub deshalb auf – aber jetzt einfach so lange hier bleiben, bis wir wieder Hunger bekommen (was nach dem mehr als üppigen Cheesecake dauern konnte!), war keine echte Option. Außerdem wollten wir heute unsere restlichen Vorräte abends aufessen.

Also wieder heimwärts. Aber später quälte uns die Lust auf ein kühles Bier und trotz aller Warnungen von Jennifer, dass im Rosetta Hotel die eher ungehobelten Jungs am Samstagabend anzutreffen sind, wagten wir uns dorthin. Denn das Rosetta Hotel war nur knapp 2 km von unserer Unterkunft entfernt!

Und siehe da – es war ein nettes kleines Hotel mit einem hübschen Restaurant, in dem nur zwei Tische besetzt waren und wo im Kamin ein schönes Feuer brannte. Zwar war nebenan im Pub-Bereich wieder ziemlich viel Betrieb und es war ziemlich laut, aber der mehr als kräftige Wirt war durchaus in der Lage, die Jungs – die offenbar einen Junggesellenabschied feierten – in Schach zu halten.

Auch was da so an Essen aufgetragen wurde, sah sehr gut aus – trotzdem beließen wir es beim Bier auf dem Sofa und späterem Reste-Essen daheim.

Die Strecken von gestern und heute:

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