Gar nicht düster – das Dartmoor

Der Hund von Baskerville, das düstere Hochsicherheitsgefängnis in Princetown … wenn man Dartmoor hört, denkt man an Nebel, Düsternis, Gefahr.

Ich denke da eher an Ponys, tolle Felsformationen, leuchtend grüne Wiesen und hübsche Dörfchen.

Wie so oft, hängt natürlich vieles vom Wetter ab. Wir verbrachten vor Jahren mal einen halben (Sommer!-) Tag bei Kälte und strömendem Regen am Kaminfeuer eines Pubs in Princetown, draußen war es grau und neblig, da hörte man den Hound förmlich heulen. Heute hingegen schien die Sonne vom wolkenlosen Himmel und alles war gut!

Morgens ein gutes Frühstück, dann verließen wir Higher Beeson House. Lynda und ihr Mann haben die elterliche Farm in ein tolles B&B mit vier wunderschönen und sehr komfortablen Zimmern verwandelt, wobei 3 der 4 Zimmer in der ehemaligen Scheune untergebracht sind.


Die Sonne schien schon am frühen Morgen vom wolkenlosen Himmel – alle England-Klischees waren mal wieder Makulatur! Durch eine malerische Sommerlandschaft fuhren wir Richtung Dartmoor, machten mal kurz den Fehler, eine Abkürzung zu nehmen, die dann jedoch wegen eines Mähdreschers und einem entgegenkommenden Lieferwagen, die für einen fast endlosen Stau auf einem einspurigen Sträßchen sorgten, zur Falle wurde.

Aber an einem so schönen Sommertag nimmt man auch das gelassen hin, zumal die britischen Fahrer vor und hinter uns das Ganze sehr locker nahmen. Nach ca. 20 Minuten begannen jedoch die ersten, auf einer Fläche von wenigen Quadratmetern (der Weg war nur minimal breiter als ein PKW!) zu wenden. Nach weiteren 10 Minuten nahmen auch wir ein Wendemanöver in Angriff. Das ging zwar wegen der Hecken nicht ganz ohne Kratzer ab – aber die kriegt man hier ohnehin fast bei jedem Ausweichmanöver.

Weiter ging’s ins hübsche Widecombe in the Moor, ein winziger Ort mit nur 196 Haushalten. Die liegen allerdings weit verstreut, denn auch abgelegene Farmen werden mitgezählt.

Viele Legenden ranken sich um die kleine Gemeinde – die St. Pankratiuskirche gilt als „Kathedrale des Moores“, weil sie nicht nur viel zu groß für die wenigen Einwohner ist, sondern auch einen 37m hohen Turm hat.


Wir besuchen den malerischen Friedhof hinter der Kirche – hier wird man wirklich idyllisch zur letzten Ruhe gebettet!



Auch der Toten des letzten Weltkrieges gedenkt man hier – mal auf eine etwas andere und sehr pragmatische Weise!

Viel los ist momentan nicht im Örtchen – zwar scheint eine französische Schulklasse einen Ausflug hierher gemacht zu haben, zumindest liegen überall  Jugendliche im Gras und man hört französische Laute, aber ansonsten ist nicht viel los hier.


Kaum sind wir raus aus dem Ort und ein bisschen in der Natur, tauchen sie auf – die Dartmoor Ponys! Vor 30 Jahren waren sie überall, dann kamen diverse Seuchen und sie waren nahezu verschwunden, heute scheint sich der Bestand wieder etwas erholt zu haben.



Besonders scheu sind sie nicht, man kann relativ nah heran. Und selbst dann rennen sie nicht weg, sondern ziehen sich einfach nur langsam ein Stück zurück.

Wir fahren weiter, Richtung Haytor, einem eindrucksvollen Felsen auf einem eher kleinen Hügel. Hier sind wir nicht die einzigen – aber die Größe des Felsen wird erst dadurch sichtbar, wenn man die kleinen Figuren darauf und daneben betrachtet.


Ein Stückchen weiter gibt’s noch mehr Ponys – hier scheint sich eine Mutter-Kind Gruppe angesiedelt zu haben, direkt neben einem Parkplatz.

Es wird langsam Zeit für Tee und Scones – wir fahren nach Lustleigh, wo es einen zauberhaften kleinen Teashop mit Garten gibt, der unglaublich lecke Kuchen im Angebot hat. Lustleigh findet man nicht leicht – es ist richtig gut versteckt, und obwohl wir schon ein paarmal da waren, verfahren wir uns erstmal. Schließlich landen wir aber doch in dem malerischen Örtchen – nur ist der Teashop leider zu! Und im örtlichen Inn neben dem Cricketplatz gibt’s leider auch nix, die Küche macht um 14 Uhr zu und dann gibt’s nicht mal mehr nen Kaffee …

Also bleibts bei einem kurzen Bummel durchs Dorf.

Fündig in Sachen Cream Tea werden wir wenig später dann aber doch – im hübschen Brookside in Bovey Tracy – eine absolute Empfehlung, falls jemand mal in der Gegend ist!


So langsam geht’s jetzt heimwärts, aber ein Schlenker muss doch noch sein. Vor vielen Jahren waren wir mal durch das verschlafene Nest Dartington gekommen und hatten dort die imposante Dartington Hall bewundert. Weil wir praktisch direkt daran vorbei kamen, legten wir eine Linkskurve ein und suchten nach dem eindrucksvollen Gebäude. Das war allerdings nicht einfach, denn die gesamte Ecke hat sich in eine Ansammlung von mehr oder weniger hochpreisigen Internaten verwandelt.

Dass wir in das – eigentlich gesperrte – Areal überhaupt rein konnten, lag daran, dass an den Privatschulen und Internaten an diesem Wochenende die Sommerferien begonnen haben, während die staatlichen Schulen noch zwei Wochen weiter unterrichten.

So lag das Anwesen friedlich und menschenleer in der Sonne und nicht zum ersten Mal fragte ich mich, wie es wohl sein muss, wenn man derart edel seine Schulzeit verbringt. Wobei die unglaubliche landschaftliche Schönheit der Umgebung vermutlich an die Kids verschwendet ist – die dürften eher den völligen Mangele jeglicher Unterhaltung beklagen!


Wieder im Higher Beeson House angekommen, ließen wir uns von Lynda Besteck und Teller geben, denn wir wollten erneut zu Britannia @the Beach. Und ein leckerere Crabsalad schmeckt einfach deutlich besser, wenn man ihn von Porzellan statt von Pappe und mit richtigem Besteck statt einer Holzgabel isst. Außerdem kam noch eine Flasche Weißwein in die Kühltasche und Weingläser.

Bestens ausgestattet ging’s runter nach Beesands, vor dem Essen gab’s aber erst mal einen Sparziergang am Strand in der Abendsonne.


Danach erneut ein fürstliches Mahl, gefolgt von einem kurzen Bummel zum malerischen Widdicombe Ley, in dem sich die Abendsonne spiegelte.

Der Ausflug (und auch schon der morgige Tag!) im Video:

So sind wir heute gefahren:

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