Ganz weit unten und unglaublich schön – Der Lizard

Cornwall hat gleich zwei geographische Highlights: Hier gibt es den westlichsten und den südlichsten Punkt Großbritanniens, zumindest, was das Festland angeht. (Wobei Festland ja eher relativ ist – denn schließlich liegt das gesamte Vereinigte Königreich auf Inseln.)

Lands End, ganz im Westen, kennen die meisten zumindest dem Namen nach. Den Lizard, eine Halbinsel, die den südlichsten Punkt Großbritanniens markiert, kennen vermutlich nur die, die schon mal da waren.

Dabei weist die Ecke – neben ihrer bemerkenswerten landschaftlichen Schönheit – auch noch ein paar Besonderheiten auf: Zum einen beginnt hier der Ärmelkanal, zum anderen ist dies der einzige Punkt Großbritanniens, der südlich des 50. Breitengrads (und damit etwa auf der Höhe von Mainz) liegt. Was für uns aber am allerwichtigsten ist – auf dem Lizard ist das Wetter in aller Regel selbst dann schön, wenn es im Inland mal neblig-trüb ist.

Heute war das egal, die Sonne schien auch in Nancledra und nachdem Alisons Frühstücksverführungen verputzt waren, fuhren wir los. Erster Stopp war Mullion Cove. Der malerische kleine Hafen gehört zu dem idyllischen Örtchen Mullion, ein paar Kilometer weiter landeinwärts. Hier unten gibt es lediglich ein kleines Café und ein großes Hotel, hoch oben, über dem Hafen.

Parken kann man hier nirgendwo, man muss das Auto einige 100m außerhalb des Ortes abstellen und zu Fuß runter laufen, wird dann aber mit einer echten Idylle belohnt!

Viel los ist hier nicht – aber wir staunen doch ziemlich über das seeeehr unterschiedliche Temperaturempfinden einiger Damen!!!


Und nein – wir waren weder so entblättert wie die junge Dame auf dem Boden, noch so vermummelt, wie die andere – aus unserer Sicht war es einfach T-Shirt Wetter. Der Himmel so blau wie das Meer, die Temperaturen in den 20ern – alles prima!

Ein bisschen um den Hafen herumwandern, die Felsen hoch – früher hatten wir von hier aus mehrstündige Wanderungen entlang der Traumküste in Angriff genommen, aber diese Zeiten sind leider vorbei. Stattdessen geht’s weiter zum Lizard Point, dem definitiv südlichsten Punkt der britischen Inseln. Hier gibt es einen imposanten Leuchtturm, der die Schiffe bei der Einfahrt in den Ärmelkanal auf Gefahren aufmerksam macht.


Von hier aus geht es über schmale Küstenpfade entweder nach links, zu einer längeren Wanderung um die Spitze der Halbinsel …

Oder nach rechts, zum südlichsten Punkt, dem Lizard Point. Wir wählen den rechten Weg, der an schroffen Felswänden vorbei hinunter ans Wasser führt.





Und für den (eher unwahrscheinlichen) Fall, dass es jemand noch nicht mitbekommen hat, informiert das Plakat eines Cafés über die geographische Lage!

Etliche Andenkenläden bieten auch eine Besonderheit an – diverse Souvenirs aus dem Stein, dem der Lizard seinen Namen verdankt.

Die Felsen hier an der Spitze bestehen aus grünlich schillerndem Serpentinit, dem „Schlangenstein“, der hier in kleinen Manufakturen zu Schalen und Tellern, Aschenbechern, Kerzenhaltern etc. verarbeitet wird.

Unten angekommen, sind wir zum x-sten Mal hingerissen von der unglaublichen Farbkomposition aus Land und Meer.

Es geht weiter, über den unteren Zipfel der Halbinsel, über kleinste Straßen mit Ausweichbuchten.

Unser Ziel ist Cadgwith, ein Fischerdorf wie aus einem Bilderbuch! Auch hier kann man nicht im Ort parken, sondern nur auf einem Parkplatz weit oberhalb und muss einen – allerdings wunderschönen – Fußweg in kauf nehmen.


Dabei passiert man ein echtes Unikum – eine kleine Kapelle aus Wellblech! Während ansonsten selbst kleinste Dörfchen imposante Kirchen aus Stein vorzeigen können, ist die St. Mary’s Church ein Beispiel für ein „Tin Tabernacle“,(= Blechkirchen), die Ende des 19. Jh. fabriziert und in ärmeren Gemeinden aufgestellt wurden. Die kleine blaue Blechkirche in Cadgwith wurde dem Dorf 1895 von einem Mäzen gestiftet.

Ein paar hundert Meter weiter herrscht dann aber Idylle pur – reetgedeckte Cottages, bunte Blumen.


Eine hübsche kleine Bucht mit glasklarem Wasser.

Und ein malerischer, sehr lebhafter Hafen, in dem tagtäglich jede Menge Fisch und Krustentiere angelandet und verkauft werden.

Direkt vis-á-vis vom Hafen liegt das Lokal „Old Cellars“. Dort gibt es leckersten Crabsalad, üppige Crabsandwiches und auch sonst wirklich hervorragendes Essen. Wir sind hier schon unzählige Male eingekehrt, heute war uns allerdings mehr nach Süßem, also Cream Tea …


Während wir noch Tee tranken, wurde es im Hafen unruhig. Ein riesiger LkW fuhr auf das Gelände, ein Fischerboot kam an und wurde mittels Traktor und Winde an Land geschleppt.


Und dann kamen die Köstlichkeiten – ein Hummer, ein Taschenkrebs nach dem anderen wanderte in große Wannen und in den LkW.

Es wurde langsam spät, auf dem Heimweg gab es aber noch einen Stopp in Porthleven mit seinem malerischen Hafen und der Kirche direkt am Pier, wo etliche Rosamunde Pilcher Filme gedreht wurden.





Zwar verdunkelte sich der Himmel mittlerweile zusehends, wir schafften es aber noch halbwegs trocken bis nach Nancledra, wo dann allerdings heftige Regengüsse runter kamen. Also wieder nichts mit einem ausgedehnten Bummel in St. Ives am Abend und einem Open Air Essen im Sloop Inn am Hafen …. Stattdessen eben erneut Pubfood.

Der heutige Ausflug auf der Karte:

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