19. Januar – Robben-Kinderstube und langes Flusstal: Westport bis Hamner Springs

Endlich mal kein do-it-yourself Frühstück! Ros hatte den Tisch liebevoll gedeckt mit  Saft und frischem Obst, Joghurt und knusprigem Granola, hausgemachter Marmelade und frischem Brot.

Und zu meinem absoluten Entzücken – mit Crumpets!!! Diese luftig-löcherige britische Spezialität zählt zu meinen kulinarischen Lieblingen. Knusprig getoastet und gebuttert (die Butter wird aufgesogen wie bei einem Schwamm), evtl. mit Marmelade – mmmhhhmmm!!!

Beim nächsten Supermarktbesuch muss ich unbedingt danach Ausschau halten!

Zunächst war jedoch kein Besuch im Supermarkt, sondern der Abschied von Ros und Keith angesagt (der etwas länger dauerte ….) und danach ging’s zum Kindergarten. Der liegt, anders als normalerweise, nicht an Land, sondern auf Felsen im Meer. Genauer – am Cape Foulwind. Das heißt nicht etwa so, weil es dort stinkt, sondern weil es dort ganz gemeine Windströmungen gibt, die in der Vergangenheit so manchem Schiff zum Verhängnis wurden. Deshalb gab James Cook dem Cap 1770 diesen wenig netten Namen.

Uns interessierte aber weniger das Cap, sondern die Felsen unmittelbar neben der Tauranga Bay. Vom Parkplatz aus führt ein malerischer Weg am Rande der Bucht entlang in die Höhe.



Die Bucht im Morgenlicht – ein mehr als atemberaubend schöner Anblick! Knapp 10 Minuten läuft man am Hang entlang, dann ist man da. Steht auf einer Aussichtsplattform, darunter einfach nur ein Haufen brauner Felsen. Erst wenn man genau hinschaut oder, noch besser, ein Fernglas oder Teleobjektiv einsetzt, sieht man, was hier los ist. Dutzende Seehundmütter mit ihren Babys liegen, krabbeln, robben auf und über die Felsen.


Manchmal gibt es Zoff zwischen den Damen – aber vielleicht ist das ja auch nur ein Schwätzchen unter Nachbarinnen.


Es gibt anrührende Szenen, wo Mutter und Kind zu schmusen scheinen. Geschwister kabbeln sich…

Eine behäbige Dame recht sich der Sonne entgegen …

Hungrige Welpen werden gestillt …


Auch andere hungrige Mäuler bzw. Schnäbel wollen gestopft werden!

Man könnte hier Stunden verbringen – ohne Tele sieht man allerdings kaum etwas, falls man nicht gerade Adleraugen hat.

Da sich unsere heutige Etappe aber nicht von alleine erledigt, reißen wir uns los und fahren Richtung Osten.
Schon bald begleitet uns der Buller River, mit 170km einer der längsten Flüsse Neuseelands. Mal fließt er durch ein breites Tal, mal verengt sich dieses zu einer Schlucht – malerisch ist es hier aber durchweg. Anders als die bisherigen Flüsse ist der Buller River jedoch – trotz weißer Kiesel – dunkel, fast schwarz.


Als wir unter einem Felsüberhang hindurch fuhren, fiel mir ein, das Ros heute Morgen erzählt hatte, dass im letzten Winter das Wasser des Flusses bis fast zur Kante des Überhangs gestanden hatte!

Heute plätscherte er jedoch harmlos dahin.


An einer kleinen Raststätte wurde dem Lieblings-(Un)Tier der Kiwis ein leicht rostiges Denkmal gesetzt.

Die gemeine, fiese, winzige „Sandfly“, pechschwarz und nur stecknadelkopf groß, ist eine echte Plage an der Westküste! Sie brummt nicht, surrt nicht, taumelt scheinbar langsam und ziellos in der Gegend rum, ist aber so gut wie nicht zu erwischen und schlägt völlig unbemerkt zu.

Zwar hatten wir bisher immer sehr viel Glück und es nie mit Schwärmen zu tun, aber schon eine einzige reicht, um einen zu plagen. Das Vieh sticht nicht, sondern beißt, man spürt es nicht sofort, sondern erst Stunden später, dann schwellen die Bisse allerdings ziemlich an und jucken ganz fürchterlich! Ohne Juckreiz stillende Mittel kratzt man sich dann unaufhörlich, bis es blutet, und ich hab schon mehr als einmal, vor allem bei jungen Backpackern, Arme und Beine mit reichlich entzündeten Bissstellen gesehen.

Ein paar Mal hat es mich auch auf dieser Reise erwischt – dank meiner anästhesierenden Emla Salbe ist das aber kein größeres Problem. Einmal aufgetragen – und nach 10 Minuten spürt man nichts mehr … Muss allerdings so alle 6-8 Stunden wiederholt werden, es dauert ca. 3-4 Tage, bis der Biss nicht mehr juckt.

Wir fuhren bis zur Buller Gorge Swing Bridge (hier hatten mich letztes Mal etliche Sandflies erwischt!!!)


Da ich nicht rüber wollte – die Brücke wackelt enorm, hängt ziemlich durch und ist sehr schmal) beließen wir es bei einem Foto aus der Ferne, denn wenn man sie aus der Nähe fotografieren möchte, muss man auf abgesperrtes Gelände und 10 NZD Gebühr entrichten!!!

Unmittelbar nach der Brücke bogen wir ab, jetzt ging es durch eher langweiliges Farmland mit unzähligen Kuh- und Schafherden zu beiden Seiten, aber auch viel Wald.


Hanmer Springs erreichten wir am frühen Nachmittag. Unsere Unterkunft wirkte unglaublich britisch-plüschig, war aber ganz komfortabel. Leider gab es – anders als bei der Buchung angekündigt – kein Frühstück und die Facilities im Zimmer beschränkten sich auf einen Wasserkocher. Aber wir sind selbst gut ausgerüstet und können aus unseren Vorräten ein prima Frühstück zaubern!

Der kleine Ort ist zwar sehr nett und malerisch, mit vielen Bäumen, schattigen gepflegten Straßen und hübschen Häusern im Kolonialstil, berühmt ist er jedoch für seine heißen Quellen. Zu denen kommt man allerdings nur, wenn man 39 NZD pro Person hin legt. Und dann sitzt man mit anderen zusammen in einem kleinen Becken mit warmem Wasser …


Mussten wir nicht unbedingt haben – wir spazierten lieber durch die schattigen Straßen, faulenzten ein bisschen im Garten, gingen dann in ein Gartenlokal zum Essen und waren uns wieder mal einig, dass Reisen einfach toll ist!

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