1./2. Februar – Wo der Pfeffer wächst …..

P11904781. Februar – Ausflug nach Kep: 
Als wir gestern eincheckten, hieß es, Frühstück gibt es von 7 bis 9:30. 

Das klang nach einem etwas engen Zeitrahmen …

Aber da Dom, einer der Betreiber, Engländer ist und wir aus Erfahrung wissen, dass britische Bed&Breakfasts oft auch nur eine sehr kurze Frühstücks-Spanne anbieten, waren wir notgedrungen bereit, es zu akzeptieren.

Linh, die uns die Örtlichkeiten erklärt hatte, grinste dann aber übers ganze Gesicht und fügte hinzu “9:30 pm!!!” Zuerst dachten wir, wir hätten uns verhört – Frühstück bis 21:30??? Aber Linh strahlte und sagte, hier könne man den ganzen Tag über frühstücken – bis die Küche um 21:30 zumacht!! Sie bot an “You can sleep until 1:00 – and then have breakfast in bed!”

Für Flitterwochen sicher ein verlockendes Angebot – aber wir wollten ja was von der Umgebung sehen, also saßen wir gegen 10 Uhr am Frühstückstisch und futterten uns durch die Speisekarte. Ich konnte den Crêpes – hauchzarten Gebilden, begleitet von Limetten und lokalem Honig, der leicht nach Orangen schmeckte – nicht widerstehen, dazu eine große Schüssel Obstsalat mit tollen Früchten und herrlich knuspriges Baguette.

Wir wollten heute nach Kep, ca. 25km entfernt – dafür brauchten wir aber erst mal ein Motorrad. Einer der netten jungen Männer vom Personal organisierte innerhalb von 10 Minuten ein Motorrad – wie von Dieter gewünscht, mit Scheibenbremsen und Automatik, aber nicht gerade das neueste Modell … Egal, die Bremsen funktionierten und für 5$ pro Tag stellt man keine allzu hohen Ansprüche, wir nahmen es und fuhren los.

Wie in SOA überall üblich, war kaum noch ein Tropfen Benzin im Tank (man bekommt das Fahrzeug leer und kann es leer zurückgeben), also musste schleunigst eine Tankstelle her. Die sind zum Glück üppig gesät in Kambodscha, alle paar hundert Meter gibt es eine.

Jetzt mussten wir bloß noch den Weg nach Kep finden. Nachdem sich das, was wir erst mal für einen Feldweg hielten, als Bundesstraße 33 nach Kep herausgestellt hatte, rollerten wir aus der Stadt hinaus. Die Straße verdiente allerdings diese Bezeichnung nicht im entferntesten – es war abwechselnd eine dünne Asphaltdecke mit tiefen Löchern, eine reine Sandpiste oder ein Schotter-Weg. Zwischendurch kamen immer mal wieder ein paar hundert Meter einigermaßen intakter Asphalt, wo man schneller als 15 km/h fahren konnte – aber allzu häufig waren diese Strecken nicht.

Zum Glück war der Verkehr minimal – wenn man mal von den Lastern absah, die uns entweder in einer Staubwolke überholten oder vor uns her krochen, so dass wir in der Staubwolke ausharren mussten, bis die Straße ein Überholen erlaubte. An einer Unfallstelle – ein Minibus war von der Straße abgekommen und im Graben stecken geblieben – gab es einen ellenlangen Stau – aber auch eine Umleitung kambodschanischer Art: Die Fahrzeuge fuhren einfach durch den Hof eines Hauses hindurch, um die Unfallstelle herum und dahinter wieder auf die Straße.

Nach einer knappen Stunde und ca. 10 kg Staub in Hals und Lungen hatten wir Kep erreicht und landeten als erstes am Crab-Market. Kep ist berühmt für seine Krebse, uns beeindruckten sie allerdings nur mäßig. Die Dinger waren ziemlich klein, aber sie wurden den Frauen, die sie direkt aus den Krebskörben heraus verkauften, förmlich aus den Händen gerissen.
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Anschließend wanderten sie in die bereitstehenden Töpfe …
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… evtl. noch gewürzt durch den allgegenwärtigen Kampot-Pfeffer.
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Kampot-Pfeffer ist angeblich der beste der Welt – ob das stimmt, weiß ich nicht, aber ich habe noch nie derart würzigen Pfeffer gerochen und geschmeckt, wie hier.

Pfeffer war bislang für mich einfach nur irgendwie scharf – dass er derart vielschichtig und würzig schmecken könnte, hätte ich nie geglaubt! Es gibt schwarzen, weißen und roten Pfeffer (und natürlich auch grünen, aber der hält sich nicht lang genug, um ihn mitzunehmen.)
Wer mehr über Kampot-Pfeffer wissen möchte, kann sich in diesem „Spiegel-online Artikel“ schlau machen.

Der weiße ist der teuerste, weil er voll ausgereift ist und von Hand geschält wird. In Deutschland gibt es Kampot-Pfeffer nur bei einigen wenigen Spezialitätengeschäften – zu horrenden Preisen von über 100€/kg. Hier ist er deutlich günstiger, aber mit ca. 20$/kg auch nicht gerade billig. Wir werden uns dennoch mit Pfeffer eindecken – und natürlich diversen lieben Leuten etwas davon mitbringen 🙂

Nach dem eher enttäuschenden Crab-Market fuhren wir die Uferstraße direkt am Meer entlang, am Strand von Kep vorbei – wo ich keinen Fuß ins trübe Wasser setzen würde, auch der handtuch-schmale schmuddelig-braune Strand läßt keine Strandstimmung aufkommen. Lustig ist bloß die Riesenkrabbe, die erst im Dezember 2012 aufgestellt worden ist.
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In einer der kleinen Kneipen am Ufer tranken wir etwas und bemerkten, dass im Fernsehen gerade die Trauerfeierlichkeiten für König Sihanouk übertragen wurden. Im Moment war nichts Spektakuläres zu sehen, nur eine Menge weiß gekleideter Menschen, die vor dem Sarg knieten und sich ständig verbeugten. Wir beschlossen, heute Abend mal den Fernseher anzuschalten – vielleicht gibt es ja eine Zusammenfassung.

Von Kep hatten wir jedenfalls bald die Nase voll und machten uns wieder auf den staubigen Heimweg. Wieder in Kampot angekommen, überquerten wir den Fluss, um uns mal die andere Seite anzusehen.
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Auch dort ist alles eher unspektakulär – Kampot ist eben nur ein nettes, ein bisschen verschlafenes Örtchen in einer landschaftlich sehr schönen Gegend. Es wird gerade erst von der so genannten “Traveller-Szene” entdeckt, das bedeutet, es gibt eine ganz gute Infrastruktur, viele nette kleine Kneipen und Bars entlang der Uferpromenade, man kann sich ein Motorrad leihen und in die Berge oder nach Kep fahren und Ausflüge mit Booten auf dem Kampot-River machen … das war’s dann  aber auch schon.

Auswüchse wie in Pai (Thailand) oder Vang Vieng (Laos) gibt es hier – noch – nicht, und die Einheimischen und Expats scheinen auch großen Wert darauf zu legen, dass es so bleibt.

Wir bummelten noch mal die Uferstraße entlang, bestaunten die üppige Bougainvillea,
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genossen die Ruhe und schauten noch kurz beim Java Bleu vorbei. Das hatten wir anfangs auch mal als Unterkunft in Erwägung gezogen.
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Dann wurde es schon langsam dämmrig und die Fischerboote strebten dem Meer zu.
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Der Fischerboot-Parade sahen wir bei einem kühlen Feierabend-Bier im “Rusty Keyhole” zu, einer kleinen Kneipe am Fluss, wo es angeblich die besten Spareribs Südostasiens geben sollte. Und da ich ein absoluter Spareribs-Fan bin, blieben wir gleich zum Essen. Die Spareribs – frisch über dem Holzkohlengrill, der draußen auf der Straße stand, zubereitet, mit einer würzig-klebrigen Sauce überzogen und von Pommes begleitet – waren wirklich sehr lecker und saftig, Dieters Tom Yam Suppe war auch gut. Zum Glück hatten wir schon gegessen, als ich auf dem Weg zur Toilette einen Blick in die Küche warf …

Im Rikitikitavi genehmigten wir uns noch ein Glas fantastischen chilenischen Rotwein – ein gutes Mittel gegen eventuelle Bakterien … Zwinkerndes Smiley Und sahen völlig fasziniert im Fernsehen die unglaublich aufwändige Trauerfeier für den toten König Sihanouk an, eine scheinbar endlose Prozession entlang der Straßen, die wir vorgestern noch gegangen waren, mit den inzwischen prächtig dekorierten goldenen Wagen, die ich vor ein paar Tagen fotografiert hatte – ein beeindruckendes Spektakel!

Allerdings war das nur die öffentliche Trauerfeier, die Verbrennung findet erst am Montag statt, da ist dann ein bundesweiter Feiertag.

P11904992. Februar – Faulenzen in Kampot
Kampot ist ein Ort zum Entschleunigen, Hektik ist ein Fremdwort.

Auch wir passen uns langsam dem besänftigenden Rhythmus des Ortes an.

Lange ausschlafen, ausgiebig mit Blick auf die glitzernden Wellen des (erstaunlich klaren und sauberen) Kampot Rivers frühstücken, dann mit dem Motorroller gemütlich durch die wirklich schöne Landschaft tuckern.

Eigentlich wollten wir eine Pfefferplantage ansehen, hielten uns auch strikt an die Weg-Beschreibung – aber dort war nur eine Art Schau-Plantage für Besucher und die war außerdem nur Montag- Freitag offen und heute war Samstag. Wir schauten uns die Pfeffer-Pflanzen durch den Zaun an, aber sie sind ehrlich gesagt nicht besonders spektakulär – einfach grünblättrige Kletterpflanzen, die an einem Pfosten emporranken …

Also rollten wir wieder zurück in den Ort, wo wir erst mal getrennte Wege gingen: Ich steuerte Joli Jolie an, wo ich mir eine Manicure angedeihen ließ, denn hier wachsen meine Nägel wie verrückt und in Can Tho war man wohl zu zaghaft mit der Schere bzw. dem Nagelknipser gewesen. 45 Minuten später waren meine Hände gebadet, gecremt und massiert, die Nägel wieder kurz und mit farblosem Lack versehen –  und das alles für 4 $!

Danach packten wir das Vorhaben “Pfeffer einkaufen” an, was gar nicht so einfach war, weil wir jede Menge widersprechende Informationen erhalten hatten. Auf der Website des Rikitikitavi wurde ein bestimmter Laden empfohlen, unser “Allround-Betreuer” verwies uns an einen anderen, dann hörten wir, der Markt sei eine gute Quelle, andere behaupteten, auf dem Markt gebe es nur Pfeffer aus Vietnam… Wir beschlossen, einfach mal alle Adressen aufzusuchen und zu schauen, was es da so gab.

Erst mal stolperten wir aber über das Café Malay, wo ein klassisch deutscher Käsekuchen in einer Vitrine prangte und auf der Speisekarte Pfälzer Leberwurst und Sauerteigbrot lockten! Wir waren natürlich ziemlich platt! Während wir noch unser Erstaunen zum Ausdruck brachten, kam Stefan, der deutsche Wirt und begrüßte uns freudig. Er und seine kambodschanische Frau bewirtschaften das Lokal seit knapp 2 Jahren, die Leberwurst wird von Stefan selbst gemacht, die Kuchen backen Frau und Schwägerin. Wir staunten schon ein bisschen, wohin es manche Menschen verschlägt …

Käsekuchen und Leberwurst wurden von uns allerdings verschmäht, wir wollten bloß was trinken – dann zogen wir weiter, auf der Suche nach dem besten Pfeffer. Beim Schlendern fiel mir ein Schild auf, das für ein soziales Projekt warb – in einem garagenähnlichen Raum daneben saßen ein paar junge Frauen an Nähmaschinen, an den Wänden hingen Kleider und Shirts. Vom Verkaufserlös wurde ein Straßenkinderprojekt gefördert. Einiges war wirklich nicht schlecht, und ich entdeckte ein paar sehr schöne Tops. Zur großen Begeisterung der Frauen probierte ich einige an und erstand dann eines, das perfekt zu meinem Leinenrock passte – Handarbeit für 5 $!

Jetzt ging es aber ernsthaft an die Pfefferauswahl – wir entschieden uns (nachdem wir zwischendurch sogar zum Markt am Stadtrand gefahren waren) letztlich doch für das zertifizierte Öko-Produkt, leider war aber bloß noch roter und schwarzer Pfeffer vorrätig, vom weißen gab es nur noch eine riesige 500g-Dose – das war uns dann aber doch zu viel… Den weißen erwarben wir dann in einem anderen Laden (kehrten aber abends noch mal zum zertifizierten Pfeffer zurück – jetzt war der Chef da und der füllte uns sofort 2x100g Portionen aus der großen Dose ab!)

So viele Aktivitäten machten hungrig und durstig, die Sonne ging langsam unter –
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– also zurück zum Rikitikitavi.
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Nebenan war in der Garküche schon Hochbetrieb
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wir entschieden uns aber doch für das daneben liegende Restaurant.

Heute nutzten wir die Happy Hour, es gab Caipirinha als Aperitiv, schwelgten dann in gegrilltem Chicken und Riesen-Prawns mit Kampot-Pfeffer und knackigen Salaten …. im Rikitikitavi ist das weitgehend risikolos, denn der Salat wird mit Trinkwasser gewaschen.

Noch ein letzter Bummel entlang der Uferpromenade, ein Abschiedsbier im Rusty Keyhole, dann verzogen wir uns mit einem letzten Glas von Denises gutem chilenischen Rotwein in unser gemütliches Zimmer.

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