13. Februar – 4000 Inseln im Mekong

P1200096So langsam gewöhnen wir uns ans frühe Aufstehen ….

Wieder ist es 6:30, als der Wecker brummt, wieder laufen Mönche auf der Straße entlang, auf Spenden-Sammeltour, wieder sind wir ziemlich verschlafen.

Aber heute nehmen wir uns mehr Zeit fürs Frühstück. Hier gibt es kein Büffet, alles wird an den Tisch gebracht – frischer Orangensaft, Lao-Kaffee oder Tee, Obstsalat, Baguette, Brötchen und Croissants gerade aus dem Ofen und noch warm, Butter und Marmelade …

Und heute nehmen wir auch ein Rührei und freuen uns an dem wirklich stilvollen Service.

20 Minuten vor 8 stehen wir an der Rezeption. Wir wollen einen der beiden Koffer die nächsten 4 Tage hier parken und müssen dafür noch ein Formular ausfüllen, außerdem müssen wir das Zimmer bezahlen. Wir sind noch mittendrin, unser Gepäck noch nicht unten, da steht schon ein junger Kerl mit dem obligatorischen Schild vor uns “Pakse Travel – 4000 Islands”. Ok – das sind wir – aber ausgemacht war 8 Uhr!!!

Aber niemand hat es sonderlich eilig, wir füllen in aller Ruhe unser Formular aus, das Gepäck kommt langsam im Aufzug runtergeschwebt, wir zahlen und sind dann aufbruchsbereit. Dieses Mal sind wir die allerersten im Minivan, also haben wir die freie Platzwahl. Nicht in die erste Reihe – da kann Dieter seine langen Beine nicht ausstrecken, weil der Fahrersitz hinten bis zum Boden eine feste Rückwand hat. Und nicht ganz nach hinten – da wird oft noch jemand reingepfercht.

Es gibt 4 Sitzreihen mit jeweils 2 Plätzen, wir nehmen die dritte Reihe. Etwas seltsam war nur ein kleiner Plastik-Schemel, der in dem winzigen Durchgang zwischen den Klappsitzen und den festen Sitzen herumstand.

Unser Koffer wird hinten reingeschoben, wir fahren los, um weitere Passagiere aufzunehmen. Nach und nach füllt sich der kleine Bus – nicht nur mit Passagieren, sondern auch mit Gepäck, das völlig wahllos aufeinander geworfen wird. Ein riesiger Rucksack wird hinter mir ganz oben auf den Gepäckhaufen deponiert, so dass ich wirklich langsam Angst bekomme, dass mir das Teil ins Genick knallt, falls der Fahrer mal bremsen muss. Wir nutzen einen weiteren Stopp, um selbst das Gepäckchaos etwas zu sortieren und schieben die oben liegenden Rucksäcke etwas zur Seite … noch ist hinter uns die Sitzbank frei.

Aber wir halten schon wieder vor einem Guesthouse und jetzt steigen 3 Norweger mit weiterem Gepäck ein – inzwischen sind sogar die ausklappbaren kleinen Seitensitze belegt. Immerhin hatte sich der Rucksackberg hinter uns nicht wesentlich erhöht …

Nachdem unser Bus voll war, ging es endlich los – allerdings nicht nach Süden, wo unser Ziel lag, sondern nach Norden! Waren wir irgendwie im falschen Bus??? Hatte der Fahrer nicht kapiert, wo wir hinwollten???

Fast eine halbe Stunde verging – dann hielt der Fahrer wieder an und ein junger Mann stieg ein – obwohl kein einziger Platz mehr frei war! Aber es gab ja noch das kleine Schemelchen, darauf nahm er Platz, grüßte uns alle freundlich und  ignorierte unsere nicht gerade begeisterten Blicke, denn durch ihn war der ohnehin enge Fußraum noch weiter eingeschränkt und Dieter wusste gar nicht mehr wohin mit seinen Beinen. Da der Mann – anders als alle anderen – kein Ticket vorzeigen musste, war klar, dass es wohl ein Freund unseres Fahrers war … aber was sollten wir tun ???
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Immerhin ging es – es war inzwischen fast 9 Uhr – endlich in die richtige Richtung. Die Norwegerin auf dem Notsitz rechts von uns zog ihr Strickzeug raus und begann ungerührt zu stricken, alle anderen richteten sich ebenfalls irgendwie ein.

Nach ca. 2 1/2 Stunden erreichten wir Nakasang. Dort mussten wir runter zum Ufer, über ein Stück Sandstrand (nicht gerade einfach mit einem Hartschalen-Koffer 😉 – wir waren froh, dass wir den zweiten in Pakse gelassen hatten) zum Ticket-Office.
Für 20.000 Kip pro Person kauften wir Tickets nach Don Khone,, einer der vielen Inseln im Mekong, und reihten uns in die Gruppe junger Backpacker ein, die mit ihren teils riesigen Rucksäcken auf die Boote warteten.

Dann ging es auf Zuruf los – “Don Det” wurde aufgerufen, diese kleine Insel lag jedoch vor unserem Ziel. Dann “Don Khone” , wir schwenkten unsere Tickets und durften mit ein paar anderen an Bord eines ziemlich ramponierten Bootes. Unser Koffer landete vorne im Bug und wir genossen erst mal die Fahrt über den Mekong, vorbei an unzähligen winzigen Inselchen, die der Gegend den Namen „4000 Islands“ verliehen hatten.

Als wir uns Don Khone näherten, konnten wir unser Ziel, die Floating Bungalows des
Sala Don Khone schon sehen.
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Die Bitte, uns direkt am Pier des Hotels abzusetzen, ignorierte der Bootsführer und hielt eine ganze Strecke davon entfernt. Uns blieb nichts übrig, als unseren Koffer den Abhang empor zu hieven und uns zu Fuß auf den Weg zu machen. Zum Glück war es nicht weit – nur ein kleines Stück das staubige Sträßchen entlang.
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Unsere Mitfahrer hatten mehr Pech, ihr Gästehaus lag ein gutes Stück weiter weg.

Nach ca. 100 m hatten wir die winzige Rezeption erreicht und wurden zu einem der schwimmenden Häuschen geführt. Eigentlich wollten wir eines mit Dachgarten – weil dort oben aber weder Stuhl noch Schirm waren und die Terrasse zum Fluss durch die Wendeltreppe ziemlich eingeschränkt war, baten wir um ein anderes und zogen in das gelbe Häuschen ganz rechts ein.
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Die Inneneinrichtung war eher spartanisch, aber ausreichend.

Und wer braucht schon Luxus, wenn man eine derartige Prime-Position hat:
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Das schwimmende Zimmer schaukelt sanft, wenn ein Boot vorbei fährt, von der Terrasse aus kann man direkt in den Mekong springen (was manche auch tun. Uns war die Strömung zu stark und die Wasserqualität – na, sagen wir mal, etwas suspekt 😉 .

Stattdessen mieteten wir einen Motor-Roller (die Alternative wäre ein Fahrrad gewesen – aber mein lädierter linker Fuß wollte noch etwas geschont werden) und tuckerten über sandige Wege zu den Wasserfällen von Don Khone, den Liphi Falls.
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Eine weitere Alternative, dort hin zu kommen, wäre dieses Sammel-Tuktuk gewesen …

Wir bezahlten den Eintritt von 25.000 Kip – ganz schön viel für einen Wasserfall! – und gingen unter ziemlich vertrockneten Bambus-Büschen Richtung Wasserfälle. Die Richtung war leicht zu finden, das Wasser donnert ziemlich laut über die Felsen.
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Dann waren wir da – und vor uns die Fälle, die den französischen Traum einer durchgehenden Schifffahrt auf dem Mekong scheitern ließen.

Zwar hatten die Franzosen eine Lösung gefunden – sie bauten quer über die Insel eine Eisenbahnstrecke, hoben die Schiffe auf der einen Seite aus dem Wasser, transportierten sie mit der Bahn über die Insel und ließen sie auf der anderen Seite wieder zu Wasser – aber so richtig funktionierte das wohl nicht. Heute ist die Bahnstrecke jedenfalls verschwunden, lediglich die Reste zweier alter Lokomotiven und ein paar alte Fotos zeugen noch von den hochfliegenden Plänen.
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Wir machten uns auf die Suche nach dem legendäre Strand, der hier irgendwo in der Nähe der Fälle sein sollte. Nachdem wir 10 Minuten lang dem Wegweiser
“To the Beach” gefolgt waren, lag der Strand vor uns – ein sandiger Hügel erstreckt sich runter zum Fluss, dort badeten und sonnten sich ein paar Traveller.
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Wir wollten unseren Motorroller noch ein bisschen bewegen und fuhren auf gut Glück einen Sandweg entlang. Später entdeckten wir, dass wir die alte Eisenbahntrasse entlang gefahren waren – von der war aber nichts mehr zu sehen, es war lediglich ein holpriger, sandiger, sehr stein-reicher Feldweg. An dessen Ende landeten wir an einer Art Podest aus Beton, sicher 25 m über dem Wasserspiegel, mit einer steilen Treppe zum Wasser runter und seltsamen Vorrichtungen. Dort wurden in alten Zeiten die Boote wieder zu Wasser gelassen, die per Zug hierher befördert worden waren.
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Eigentlich wollten wir nur ein bisschen gucken, was trinken und dann wieder zurück – aber zwei junge Französinnen sprachen uns an und fragten, ob wir ein Boot mit ihnen teilen wollten, sie wollten auf Delphin-Schau gehen. Wir waren zwar etwas erstaunt, willigten aber ein (der Spaß kostet letztlich 6€ für uns alle zusammen!) und fuhren ein Stück hinaus. Ich hatte keinerlei Hoffnungen, die extrem seltenen Tiere zu sehen, denn die Irrawaddy-Delphine (warum die so heißen, obwohl der Irrawaddy tausende von Kilometern weg ist, weiß ich nicht – aber offenbar heißen hier alle Flussdelphine so!) sind ja fast ausgestorben und es gibt nur noch ein paar wenige Exemplare. Wir fanden aber schon die Fahrt an sich sehr schön und wären auch ganz zufrieden gewesen – aber dann waren sie tatsächlich da: Eine kleine Gruppe Delphine sprang unweit von uns immer wieder aus dem Wasser!!!

Leider wechselten sie ständig die Stellung, waren auch mal einige Minuten gar nicht zu sehen, tauchten dann ganz woanders wieder auf – jedenfalls konnte ich kein Foto machen! Aber Dieter hat sie ein kleines bisschen auf Video erwischt und hier ist der Beweis, dass es sie wirklich gibt:
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Fast eine Stunde sahen wir den Delphinen zu, dann konnten wir alle nicht mehr sitzen, im Boot gab es nur schmale Holzplanken als Sitzbänke! Außerdem stand die Sonne schon ziemlich nahe am Horizont und wir wollen nicht im Dunkeln eine Sandpiste entlang fahren.

Auf dem Rückweg kamen wir noch an der zweiten Lokomotive vorbei …
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… dann waren wir wieder daheim in unserem schwimmenden Häuschen.
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Und genossen von unserer Terrasse aus den Sonnenuntergang.
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