Wo die Männer Röcke tragen – Myanmar!

Wenn man mit verbundenen Augen hierher gebracht würde, könnten alle, die schon mal da waren, bestimmt auf Anhieb sagen, wo sie sind.

Myanmar kann man nämlich sehr deutlich riechen! Schon im Flughafen, wenn man aus dem Gepäckbereich in die Ankunftshalle kommt, ist er da – der unverwechselbare Geruch des Landes.

Eine Mischung aus pfeffrig, zitronig, kalkig – der Geruch der Betelnuss-Päckchen, die fast in jeder Männerbacke stecken und die Zähne tiefrot färben.

Das Land ist übersät mit roten Flecken auf Straßen und Bürgersteigen, wo der Saft einfach hin gespuckt wird. Sieht nicht schön aus, gibt dem Land aber den charakteristischen Geruch. Und die Zubereitung sieht richtig lecker aus!

Bevor wir heute aber in die Gerüche und Anblicke Yangons eintauchen, genießen wir ein seeeeehr ausgedehntes Frühstück im Garten des Chatrium Hotels. Mal wieder ein richtig üppiges Büffet. Und das auch noch mit Blick auf Palmen und Pool.

Auch wenn es mittlerweile unzählige neue Hotels in Yangon gibt, haben die älteren immer noch ihre Reize. Hier ist es der riesige Garten – eigentlich eher eine Art Innenhof – und der nicht minder riesige Pool, das alles direkt am Kandawgyi See. Von vielen Zimmern aus hat man einen schönen Blick auf bzw. über den See und in der Ferne auf die Shwedagon Pagode.

Bevor wir heute irgendwas anderes unternehmen, müssen wir zu Myanmar National Airlines (MNA) und einen Flug umbuchen. Die Umbuchung hatten wir zwar bereits auf der Website erledigt, nur wollte MNA keine unserer Kreditkarten online akzeptieren. Also blieb nur der Weg ins Büro vor Ort, um die Gebühren zu bezahlen.

Die Umbuchung war Folge einer Email. Eigentlich wollten wir den Golden Rock nach 10 Jahren wieder besuchen – das Mountain Top Hotel informierte uns aber netterweise, dass der Felsen derzeit komplett eingerüstet ist und neu vergoldet wird. Auch andere Renovierungen werden derzeit vorgenommen, deshalb wurde angeboten, das Hotel kostenlos zu stornieren.

Da ein eingerüsteter Felsen nicht wirklich so toll ist, nahmen wir das Angebot gerne an und wollen stattdessen einen Tag länger am Inle See verbringen. Dazu musste jedoch ein Flug umgebucht werden.

In die Strand Road zu MNA zu kommen, war allerdings gar nicht so einfach! Nachdem wir fast eine halbe Stunde im Stau gestanden waren – mit viel Zeit, malerisch verfallende Häuser zu betrachten oder festzustellen, dass der erst kürzlich renovierte alte Gerichtshof schon wieder ziemlich desolat aussieht …

… beschlossen wir irgendwann, den Rest des Weges zu Fuß zurück legten. Das ging deutlich schneller  – genauso schnell war bei MNA dann auch die Umbuchung erledigt. Noch kurz ein Besuch im luxuriösen und frisch renovierten geschichtsträchtigen Strand Hotel direkt nebenan – denn dessen Toilette ist doch deutlich komfortabler als die am Hafen! Das Strand hat übrigens auch einen hübschen Garten mit Pool – liegt allerdings preislich deutlich außerhalb unseres Etats.

Große Pläne hatten wir heute keine, einfach mal über die Fußgängerbrücke der Strand Road zur anderen Seite gehen und schauen, was da los ist. An der Fähre nach Dala ist wie immer viel Betrieb, auch den kleinen Obst- und Gemüsemarkt direkt davor gibt es noch.

Und natürlich auch die Rikschafahrer! Zwei davon heuern wir gleich an, denn in der Mittagshitze die gut 2 km bis zur Botataung Pagode an der verkehrsreichen Strand Road entlang zu laufen, macht nicht wirklich Spaß.

Rikschafahrer gehören zur untersten Schicht in Yangon – sie verdienen ihr Brot wirklich hart, deshalb knausern wir auch nicht, obwohl uns natürlich klar ist, dass wir rund das 10fache eines Einheimischen für die recht kurze Strecke bezahlen. 1.200 Kyat wollen sie – wir runden auf 1.500 Kyat auf, immer noch weniger als 1 Euro, aber für die Männer viel Geld.

Auch die Botataung Pagode ist eingerüstet (später stellen wir fest, dass überall im Land eine massive Renovierungswelle bei den Pagoden im Gange ist – kaum eine, die wir ohne Gerüst erleben!), aber dort hin wollen wir ohnehin nicht, wir suchen was ganz anderes. Es soll seit kurzem einen Waterbus geben, mit dem man für wenig Geld sowohl den Yangon River hinauf fahren, als auch bis Twante reisen kann.

Zunächst sahen wir aber nur große Plakate, die für Sunset-Cruises und andere Ausflüge warben.

Ein Stück weiter lagen sie dann da, die quietschgelben Wasserbusse.

Es gibt ein richtig schickes Terminal, sogar mit einem Fahrplan.


Nur – da stand kein Wort von Twante, der Plan gilt lediglich für den Yangon River bis Insein.

Auf Nachfrage erfuhren wir dann, dass man nur im Rahmen eines Ausflugsprogramms am Wochenende (Samstags und Sonntags, Abfahrt 9:00, Rückkehr ca. 16:00, Preis 25.000 Kyat = ca. 15€) nach Twante kommt. Das Boot fährt durch den Twante Kanal, man besucht unterwegs mehrere Pagoden und Dörfer und wird am Ende in Twante zu diversen Handwerkern (Töpfern, Webern) und Pagoden gefahren. Im Preis enthalten ist ein Mittagessen und Getränke.

Eine ähnliche Fahrt hatten wir schon vor Jahren mal gemacht, sie ist wirklich wunderschön – aber wir sind dieses Mal nur 2 Tage in Yangon und wollten keinen vollen Tag mit einem Ausflugsprogramm verbringen. Also doch eher den Yangon River entlang fahren.

Mit gerade mal 1.500 Kyat ( ca. 0,85€) ist das ein billiges Vergnügen – nur muss man schauen, wie man von Insein wieder nach Yangon zurück kommt, denn das Boot fährt nicht gleich wieder zurück. Morgen werden wir das mal ausprobieren!

Wir schauten noch ein Weilchen dem Treiben am Jetty zu – hier legen im Sekundentakt kleine bunte Boote an, die ihre Passagiere zu diversen Siedlungen auf Dala bringen.



Unverzichtbar scheint dabei der Regenschirm zu sein, unter dem sich vor allem die Damen vor der Sonne verstecken.

Jetzt ging’s aber erst mal zu einem Kaffeepäuschen zurück ins Hotel. Als die Schatten dann länger wurden, nahmen wir ein Taxi zur Shwedagon Pagode – nicht zum Aufgang für Ausländer, sondern zum wesentlich schöneren Ost-Aufgang.

Dort steht nicht nur eine weitere sehr schöne Pagode in einem kleinen See, man geht auch erst mal an vielen kleinen Geschäften entlang, wo Buddhafiguren und andere Devotionalien hergestellt werden.


Mönche und Nonnen decken sich mit Obst ein, überall wird gegessen.


Man kann Blumen für die Pagode kaufen …

… oder eine der bereits gut verpackten Statuen erstehen.

Der eigentlich sehr imposante Ostaufgang mit seinen gewaltigen Löwen ist leider komplett mit einem Gerüst und Plastikplanen verkleidet!

Jetzt heißt es : Schuhe ausziehen! Die endlos lange Treppe (zwischendurch muss man auch noch eine Straße überqueren) darf nur barfuß betreten werden. Und weil das hier kein Aufgang mit „Betreuung“ ist (am offiziellen Ausländer-Aufgang kann man die Schuhe hübsch in einem Körbchen deponieren, bekommt eine Nummer und holt sie später wieder ab), nehmen wir unsere Schuhe im Rucksack mit – Plastikbeutel hatte ich auch eingepackt.

Oben angekommen, die große Enttäuschung – auch die Shwedagon Pagode sowie diverse kleinere sind komplett eingerüstet, teilweise auch mit hässlichen blauen Plastiksäcken verhängt.


Allerdings waren wir sicher deutlich weniger enttäuscht als die, die jetzt zum ersten Mal hier sind, denn wir haben das goldene Wunder ja schon öfter in voller Pracht erlebt, zum Beispiel vor zwei Jahren.

Wobei die Einrüstung des großen Stupas der Shwedagon eigentlich wunderschön und ein echtes Meisterwerk ist. Ein dünnes Bambusgeflecht umgibt das Oberteil der riesigen Kuppel, darunter klettern tagsüber die Arbeiter herum.

Trotz der Gerüste ist die Stimmung am frühen Abend hier pure Magie – es gibt sicher nur wenige Orte in Myanmar, die einen derart beeindrucken. Zum einen ist es natürlich die Architektur, die unglaublich imposanten und beeindruckenden Tempel, Stupas, Chedis. Egal wo man hinschaut – man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Aber nicht weniger eindrucksvoll ist die praktizierte Frömmigkeit – man fegt den Boden, um Verdienste zu erringen, man bringt Blumen und andere Opfergaben dar, übergießt Statuen mit Wasser oder betet ganz einfach.

Mönche und Nonnen sind hier unterwegs – und Alt und Jung treffen sich.

Touristen kommen mit Mönchen ins Gespräch, Familien feiern freudestrahlend das bestandene Examen des Sohnes und Enkels.


Es ist das pralle Leben, das man hier trifft – und man kann wirklich Stunden hier verbringen. Allerdings wird es langsam dunkel, wir werden hungrig und werfen nochmal einen letzten Blick in die Runde, bevor es wieder nach unten geht.


Unten angekommen geht’s vorbei an verführerischen Leckereien …
…an Garküchen und Essenständen.



Aber so richtig können wir uns mit der burmesischen Freiluftküche nicht anfreunden – vieles ist extrem fettig und manches sieht nicht wirklich vertrauenerweckend aus.

Da es zu Fuß zum Garden Bistro nicht weit ist, landen wir wieder dort – obwohl wir dafür eine 6-spurige Schnellstraße überqueren müssen! Aber wir wissen, dass das unserem Magen vermutlich besser bekommt als ein Salat aus Innereien oder fermentierte Teeblätter (wobei ich den pickled tealeaves salad eigentlich sehr gerne mag!)

Ein Kommentar zu “Wo die Männer Röcke tragen – Myanmar!

  1. The Strand – eine Übernachtung dort sprengt auch unser Budget.
    Aber Teatime im Restaurant, unter den sich langsam drehenden Holzpropellern Tea und Cones,
    das hat schon was.

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