9./10. Februar – Aotearoa: Aufbruch in ein neues Land!

2015-02-10 10.02. - Christchurch 050Seit Jahren treiben wir uns in Ländern herum, wo wir zwar immer wieder neue Ecken finden, die uns aber nicht grundsätzlich fremd sind. In vielen Ländern Südostasiens waren wir schon x-Mal, in Thailand bereits ca. 20 Mal. Auch Australien haben wir schon zwei Mal besucht.

Es wurde also Zeit, ein neues Land zu entdecken.Zwar wollten wir Australien ohnehin noch mal etwas genauer erkunden, Malaysia Airlines köderte uns dann aber mit einem tollen Kombi-Angebot, so dass die Entscheidung leicht fiel: Dieses Jahr kommt Neuseeland mit ins Programm!

Der Abschied von Sydney war dieses Mal nicht so schwer – wir kommen ja Mitte März wieder und außerdem war am letzten Tag das Wetter extrem trüb und regnerisch. Zwar ziemlich warm, so um die 26 – 27°, aber dicke graue Wolken verbreiteten eine eher düstere Stimmung. Hinzu kam, dass das Essen gestern meinem Magen wohl nicht wirklich gut getan hatte… Wir verbrachten also einen Großteil des Vormittags mit Wäsche waschen und anderen nützlichen Dingen…

Erst am Nachmittag machten wir uns auf, aber es war einfach kein Fotowetter. Selbst die Fähren am Circular Quay wirkten ein bisschen lustlos und rangelten um die Anlegestellen.

Und auch die drei Cowboys wirkten etwas verloren …

Aber am nächsten Morgen schien die Sonne, als wäre nichts gewesen, das Taxi stand pünktlich um 7:30 vor der Tür und brachte uns in Nullkommanix (= 30 Minuten) zum Flughafen.

Um 8 Uhr war noch nicht viel los am Schalter, unser Flug sollte um 10:15 starten. Die Dame am Business-Check-In winkte uns zu sich – ihr war wohl langweilig. Wir bekamen nicht nur knallrote Gepäckanhänger geschenkt (richtig gute Qualität, aus dickem Plastik), sondern super Sitzplätze! Emirates fliegt hier mit 3-4-3 Konfiguration, nur in den letzten 5 Sitzreihen gibt es an der Außenseite 2er-Sitze, und die nette Dame steckte uns dort hin. Dass wir außerdem die absolute Schokoladenseite bekommen hatten, die, von der man beim Anflug einen überwältigenden Blick auf Neuseelands Südinsel hat, merkten wir erst später.

Aber erst mal gab es wieder Sicherheitskontrollen und Immigration. Überall lange Schlangen, aber es ging ziemlich schnell. Laut Bordkarte sollte unser Flug von Gate 57 starten. Der Flughafen in Sydney ist im internationalen Bereich zweiflügelig – im linken Flügel sind die Gates 1-30, im rechten 31-60. Wir wanderten also nach rechts und ließen uns in einem recht gemütlichen Bereich mit Sofas und bequemen Sesseln nieder. Direkt vor uns ein riesiges Display an der Decke, auf dem Abflüge, Gates und der Boarding-Stand aufgelistet waren.

Seltsamerweise erschienen dort nur Abflüge bis 10 Uhr, es tat sich auch in den nächsten 1 1/2 Stunden kaum etwas auf der Tafel. So gegen 9:45 stand unser Flug noch immer nicht dort, wir pilgerten aber trotzdem schon mal zum Gate 57 – normalerweise musste das Boarding eigentlich jede Minute beginnen.

Am Gate erwartete uns jedoch – gähnende Leere!!! Nur ein paar Flugbegleiter/innen räkelten sich auf den leeren Sitzen. Was war denn hier schon wieder schief gelaufen????

Ein paar Schritte zurück zu einer anderen, erheblich größeren, Anzeigetafel brachte die Erklärung: Das Abflugs-Gate war nach unserem Einchecken geändert worden, wir flogen jetzt von Gate 25 ab  – offenbar hielt es aber kein Mensch für nötig, dies so ein paar Früh-Eincheckern über Lautsprecher mitzuteilen! Gate 25 liegt im linken Flügel, wir waren ganz am Ende des rechten und hatten noch genau 25 Minuten bis zum Abflug. Laut Hinweisschildern dauerte der Weg von der Mitte bis zum jeweiligen Ende eine Flügels ca. 10-15 Minuten – wir legten also einen rasanten Sprint hin, damit wir den Flieger nicht verpassten.

Als wir mit hängenden Zungen am Gate 25 ankamen, war es dort nicht nur gerammelt voll – die Leute saßen auf dem Fußboden, weil es viel zu wenig Sitzplätze gab – es tat sich auch absolut nichts. Der Flug habe Verspätung hieß es lapidar, mehr war nicht zu erfahren. Letztendlich flogen wir mit ca. 40 Minuten Verspätung los.

Dank unserer gemütlichen Zweier-Sitze gingen 3 Stunden Flug schnell vorüber – und dann kam der Anflug auf Neuseeland. Und jetzt wissen wir, warum es so heißt: AOTEAROA – Das Land der weißen Wolke! Dieter, der am Fenster saß, war hingerissen: Schneebedeckte Berggipfel, davor ein weißes Wolkenband. Die Southern Alps, die Alpen der Südinsel, lagen fast direkt unter uns!

Auch wenn die Aufnahmen aus dem dreckigen Flugzeug-Fenster nicht gut sind (im Netbook hab ich leider kein speicher-fressendes Bildbearbeitungs-Programm) – ich muss sie hier einfach reinstellen, es war ein schlichtweg grandioser Anblick!




Dann Ankunft in Christchurch, ohnehin mit Verspätung, aber dass es mal volle 2 Stunden dauern würde, bis wir nach der Landung aus einem Flughafen rauskommen würden, hätte ich mir nie vorstellen können!

Zuerst die Passkontrolle. Kurz vor uns war ein Flieger aus Taiwan gelandet und hunderte chinesischer Touristen standen vor uns in der Schlange. Kaum einer hatte das Einreiseformular ausgefüllt, nur wenige verstanden die Fragen der Beamten am Schalter. Es ging quälend langsam voran.

Nach dem Gepäckband kam der Zoll. Auch dort wieder endlose Schlangen – die Neuseeländer nehmen es extrem genau. Wer vergessen hat, die Wanderschuhe im Gepäck anzugeben, wer Erde oder sonst was an den Schuhsohlen hat, wer Esswaren mitbringt, Medikamente oder anderes nicht im Formular vermerkt hat, ist schnell mal 400$ oder mehr los. So viel kosten z.B. ein paar nicht sorgfältig gereinigte oder nicht angegebene Wanderstiefel im Gepäck …

Nicht, weil die Neuseeländer besonders geldgierig sind, sondern weil sie panische Angst haben, dass über Erde, Samen, Pflanzenteile oder sonst was bis dato unbekannte Pflanzen/Tiere/Krankheiten/Schädlinge eingeschleppt werden.

Wir hatten also vorher brav unsere Schuhe von jeglicher australischer Erde befreit, die Ölsardinen, die noch in unserem Vorrat waren (und von denen wir gar nicht mehr wussten, weshalb wir sie gekauft hatten) zusammen mit diversen anderen Resten im Mülleimer deponiert. Von meinen mühselig gehorteten Teebeuteln, den kleinen Tüten mit heißer Schokolade und dem Glas Nescafé wollte ich mich jedoch ebenso wenig trennen wie von den Chocolate Chip Cookies – also hatte ich das folgsam im Formular angegeben und die dringenden Bitten meines Reisepartners, zwecks Einreisevereinfachung doch einfach auf das Zeug zu verzichten, hartnäckig ignoriert.

Es hätte uns auch nichts gebracht – alle Ausländer standen in der selben Schlange, an deren Ende zwei Beamte die Sortierung vornahmen: Die Unverdächtigen geradeaus, diejenigen, die im peinlich genauen Interview irgendwie zu erkennen gaben, dass was nicht ganz in  Ordnung sein könnte, nach links zur manuellen Kontrolle. (Dort landeten übrigens praktisch alle aus dem taiwanesischen Flieger…)

Auch wir wurden befragt – wo waren wir vor unserer Einreise wie lange gewesen? Hatten wir uns irgendwo in der “wilderness” herum getrieben? Waren wir mit Tieren/Pflanzen in Berührung gekommen? Ich hatte im Formular angegeben, dass wir in Nationalparks unterwegs gewesen waren. Eine kurze Inspektion unserer Schuhe – dann war dieser Punkt abgehakt. Weiter hatte ich (wegen Kaffee, Tee, Cookies usw.) angegeben, dass wir Esswaren dabei hatten und präsentierte meine Tüte. Ein freundliches Lächeln (vermutlich hielt der Beamte mich für leicht bescheuert oder überkorrekt) – dann wurden wir durchgewinkt.

Aber das hieß noch lange nicht, dass wir wirklich draußen waren. Jetzt kam noch eine erneute Röntgenkontrolle des Gepäcks, dabei können dann “vergessene” Wanderstiefel oder ähnliches aufgespürt werden.

Bei uns fanden sie nichts – wir konnten also endlich zum Schalter von AVIS gehen, um unseren Mietwagen in Empfang zu nehmen. Auch das dauerte wieder eine Weile – es war schließlich schon nach 18 Uhr, als wir endlich erstmalig die neuseeländische Sonne sahen und frische Luft atmen konnten.

Der Empfang draußen war grandios – tiefstblauer Himmel, wunderbar warm. Unser Auto fanden wir schnell, es war nagelneu, allerdings nicht übermäßig geräumig. Bis Koffer und Taschen verstaut waren, waren wir leicht geschafft und wollten nur noch schleunigst zu unserer Unterkunft. Aber wieder dauerte es … Berufsverkehr oder so was, jedenfalls ging es nur im Schneckentempo voran, eine rote Ampel nach der anderen. Zumindest gab uns das Gelegenheit, die hübschen Häuser in blumen-bestandenen Gärten zu bewundern.

Und uns ein bisschen zu wundern, dass absolut jedes Motel/Hotel, an dem wir vorbeikamen, ein “No Vacencies” Schild hatte. Alles voll??? Das konnte doch wohl kaum sein …. (Konnte es doch, wie wir später erfuhren – am Wochenende findet nämlich der World Cricket Cup hier statt! Gut, dass wir schon ein Bett hatten!)

Im Admirals Motel – klein, mit nur 8 Zimmern, aber richtig nett – wurden wir mit einer Herzlichkeit empfangen, als wären wir schon x-Mal hier gewesen. Ricki, die füllige und temperamentvolle Eigentümerin, überhäufte uns mit Infos und Gutscheinen, händigte uns Einlog-Codes fürs (kostenlose) Internet und frische Milch aus und versicherte glaubhaft, man könne sie jederzeit und mit jedem Problem aufsuchen.

Unser kleines Studio liegt über einer Garage, ist hell und luftig, blitzsauber, gemütlich und preiswert.

Schnell ein paar Sachen ausgepackt, dann machten wir uns auf, Richtung Stadtzentrum – wir hatten Hunger! Das mit dem Stadtzentrum mussten wir allerdings schnell vergessen – Christchurch hat derzeit so was nicht.

18 Erdbeben zwischen September 2010 und Anfang 2012 haben verheerende Zerstörungen angerichtet, die gesamte Innenstadt ist schwer gezeichnet. Nach den beiden heftigsten Beben im Februar und Juni 2011 war nicht viel übrig geblieben vom Zentrum – und der Wiederaufbau verläuft schleppend, denn da es immer wieder Nachbeben gegeben hatte, wollte man nichts riskieren. Nur wenige alte Gebäude – wie das Heritage Hotel – haben das Beben halbwegs intakt überstanden.

Andere – wie die Kathedrale – hatten weniger Glück. Sie wurde vor allem beim 2. Beben 2011 bös erwischt – damals stürzten Turm und Fassade ein,  und bis heute streitet man sich darüber, ob sie restauriert werden soll (was sehr teuer ist) oder abgerissen und was Neues gebaut werden soll.

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Die auf dem Cathedral Square stehende eistüten-förmige Skulptur wurde zur Jahrtausend-Wende aufgestellt und symbolisiert all die Pflanzen und Tiere, die hier gelebt haben, bevor Europäer das Land besiedelten und eine Menge davon ausrotteten.

Überall trifft man auf anrührende Appelle … viele jetzt bloß liegende Hauswände, an die früher ein Nachbarhaus gebaut war, sind mit Malereien/Graffiti bemalt, die Hoffnung oder wenigstens ein bisschen Fröhlichkeit vermitteln sollen.

Nur Restaurants, Pubs, Kneipen gab es absolut und überhaupt nicht! Schließlich erinnerte ich mich vage, dass in einem Hefter in unserem Zimmer die Victoria Street erwähnt war – dort soll es ein paar Restaurants geben. Inzwischen ziemlich müde und extrem hungrig waren wir zu fast allem bereit – und wurden auch tatsächlich fündig!

“The Bog” – ein uriges irisches Pub, aus dem laute, aber sehr melodische irische Live-Musik schallte, war unsere Rettung. Rappelvoll, tolle Stimmung – dazu gutes, frisch gezapftes Bier (weil ich mir bei den vielen völlig unbekannten Sorten unschlüssig war, durfte ich mehrere probieren – so was möchte ich mal in Deutschland erleben!) und dann absolut leckere asiatisch angehauchte Linguine mit Chili, Ingwer und Koriander sowie jeder Menge dicker Shrimps.

Es wurde gesungen, getanzt, viel gelacht. Die Band war toll, der Altersdurchschnitt ziemlich hoch (auch bei der Band)  – es war einfach nur schön!

Und wir wanderten glücklich und zufrieden Richtung Admirals Motel und Bett …

Ganz schön weite Strecke heute ….

2 Kommentare zu “9./10. Februar – Aotearoa: Aufbruch in ein neues Land!

  1. Das Gate ändern, ohne die Wartenden darauf hinzuweisen – solche Scherze kennen wir auch 🙂 Vermutlich ist das Absicht, um den Leuten ein wenig Bewegung zu verschaffen, bevor sie dann stundenlang im Flieger still sitzen müssen 😉

    Was für ein sensationeller Blick aus dem Flugzeug auf die Berge Neuseelands!

    Dein Bericht über die sich anschließende Einreiseprozedur ist hochinteressant und entbehrt nicht der Komik. Ihr wart sicher heilfroh, als ihr endlich durch wart…

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  2. Erstmal vielen Dank für die ganzen spannenenden Berichte. Die Einreisekontrollen in Neuseeland scheinen sich in den letzten 37 Jahren kaum geändert zu haben. Aber die Angst, dass irgendwelche Keime eingeschleppt und damit die Monokulturen geschädigt werden könnten, ist in der ganzen Region verbreitet. Auf einer Südseeinsel kam unser Koffer sogar erstmal 6 Stunden zur Desinfektion in eine Räucherkammer, bevor er ins Hotel gebracht wurde.
    Weiterhin gute Reise! Ich freue mich jeden Tag auf Euren Bericht.

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